Wärmepumpe Vorlauftemperatur: So optimierst du sie für niedrige Stromkosten

Die richtige Vorlauftemperatur für deine Wärmepumpe senkt Stromkosten deutlich. Der Ratgeber erklärt die Bedeutung der Heizkurve, zeigt Schritt für Schritt die optimale Einstellung und gibt praxisnahe Tipps für Neubau und Altbau, um Effizienz und Jahresarbeitszahl nachhaltig zu verbessern.

Heizkörper einer Heizung

Viele Hausbesitzer schöpfen das Sparpotenzial ihrer modernen Heizung nicht aus, weil eine entscheidende Einstellung oft übersehen wird: die Vorlauftemperatur. Dabei ist sie der wichtigste Hebel, den du hast, um die Effizienz zu steigern und die Kosten deiner Wärmepumpe zu senken. Bei der richtigen Einstellung durch Hat der Installateur alles richtig eingestellt und hast du einen Wartungsvertrag, musst du diese Einstellungen jedoch nicht selbst in die Hand nehmen.

In diesem Ratgeber zeige ich dir, wie ein Energieberater an das Thema herangeht. Wir klären, warum diese Temperatur so entscheidend ist, wie du die sogenannte Heizkurve selbst verstehst und anpasst und welche konkreten Maßnahmen dir helfen, auch in einem Altbau das Maximum aus deiner Wärmepumpe herauszuholen.

Zusammenfassung

  • Die Vorlauftemperatur bestimmt die Effizienz der Wärmepumpe, wobei niedrigere Werte Stromverbrauch reduzieren und die Jahresarbeitszahl verbessern.
  • Jedes verringerte Grad Celsius Vorlauftemperatur verringert den Stromverbrauch der Wärmepumpe um etwa 2,5 Prozent.
  • Die Heizkurve verknüpft Außen- und Vorlauftemperatur und weißt auf die Effizienz hin.
  • Ziel der Einstellung ist eine möglichst flaches und niedriges Niveau, sodass Wohnkomfort erhalten bleibt und die Vorlauftemperatur minimal ausfällt.
  • Im Altbau erfordern höhere Wärmeverluste und kleinere Heizflächen oft höhere Vorlauftemperaturen, dennoch ermöglichen angepasste Einstellungen effizienten Wärmepumpenbetrieb.

Was ist die Vorlauftemperatur? Und warum ist sie entscheidend für deine Stromkosten?

Die Vorlauftemperatur ist die Temperatur des Heizwassers, das von der Heizung zu den Heizkörpern oder der Fußbodenheizung fließt. Je höher deine Wärmepumpe bzw. Heizung das Wasser erhitzen muss, desto mehr Energie und damit Strom wird verbraucht. Ob das Wasser auf 50 °C oder nur auf 35 °C erhitzt werden muss, macht also einen Unterschied.

Genau hier liegt der Kern der Effizienz. Je niedriger die Vorlauftemperatur, desto weniger muss der Kompressor in der Wärmepumpe arbeiten. Das ist das Bauteil, das den meisten Strom verbraucht. Eine niedrigere Vorlauftemperatur führt direkt zu einem geringeren Stromverbrauch und verbessert die sogenannte Jahresarbeitszahl (JAZ), also das Verhältnis von erzeugter Wärme zu eingesetztem Strom über das ganze Jahr. Die Effizienz ist damit besser.

Faustregel für die Berechnung der Vorlauftemperatur:

Jedes einzelne Grad Celsius, um das du die Vorlauftemperatur dauerhaft senken kannst, reduziert den Stromverbrauch deiner Wärmepumpe um etwa 2,5 %. Eine zu hoch eingestellte Vorlauftemperatur ist also der häufigste Grund für unerwartet hohe Stromkosten und eine geringere Effizienz.

Schritt-für-Schritt: Die Heizkurve deiner Wärmepumpe einstellen

Die Heizkurve klingt kompliziert, ist aber nur die „Betriebsanleitung“ für deine Wärmepumpe. Sie sagt der Anlage, wie hoch die Vorlauftemperatur bei einer bestimmten Außentemperatur sein muss. Ist es draußen mild, braucht sie wenig. Wird es draußen eiskalt, braucht sie mehr. Das Ziel ist, diese Kurve so flach und so niedrig wie möglich einzustellen, ohne dass du beim Wohnkomfort Abstriche machen musst.

Was ist die Heizkurve? Einfach erklärt

Stell dir ein Diagramm vor. Auf der horizontalen Achse ist die Außentemperatur, auf der vertikalen Achse die Vorlauftemperatur. Die Heizkurve ist eine Linie, die diese beiden Werte miteinander verbindet. Diese Linie wird durch zwei Hauptparameter bestimmt:

  1. Die Neigung: Sie legt fest, wie stark die Vorlauftemperatur ansteigt, wenn es draußen kälter wird. Eine steile Kurve bedeutet eine starke Reaktion auf Kälte, eine flache Kurve eine geringere.
  2. Das Niveau (oder die Parallelverschiebung): Dieser Wert hebt oder senkt die gesamte Kurve. Eine Anhebung des Niveaus bedeutet, dass die Vorlauftemperatur bei jeder Außentemperatur pauschal um ein paar Grad höher ist.
Heizkurve Vorlauftemperatur 1

Deine Aufgabe ist es, die Neigung so flach wie möglich und das Niveau so niedrig wie möglich einzustellen, sodass es in deinem Haus gerade noch angenehm warm wird.

Vorbereitung: So findest du die richtigen Einstellungen

Bevor du etwas veränderst, sind drei Vorbereitungsschritte wichtig, um saubere Ergebnisse zu bekommen:

  1. Thermostate voll aufdrehen: Drehe die Thermostatventile an allen Heizkörpern in den Räumen, die du regelmäßig nutzt, voll auf (meist Stufe 5). Das ist entscheidend. Wenn die Thermostate drosseln, bekommt die Wärmepumpe falsche Rückmeldungen und du kannst die Heizkurve nicht korrekt bewerten.
  2. Aktuelle Einstellungen dokumentieren: Gehe ins Menü deiner Wärmepumpensteuerung und notiere oder fotografiere die aktuellen Werte für Neigung und Niveau der Heizkurve. So kannst du jederzeit zum Ausgangspunkt zurückkehren.
  3. Den richtigen Zeitpunkt wählen: Beginne die Optimierung an einem kühlen Tag mit konstanten Außentemperaturen, idealerweise zwischen 0 °C und 5 °C. An sehr milden oder extrem kalten Tagen ist es schwieriger, die Auswirkungen deiner Änderungen zu beurteilen.

Du bist dir unsicher, welche Wärmepumpenart für dich das richtige ist? In unserem Ratgeber zur Wärmepumpe findest du alle wichtigen Informationen.

Die Anleitung: Neigung und Niveau der Heizkurve anpassen

Die Optimierung erfordert etwas Geduld, da das Gebäude träge auf Änderungen reagiert. Gehe immer in kleinen Schritten vor und gib dem System mindestens einen Tag Zeit, sich anzupassen.

SchrittBedingungProblemLösung
Niveau senkenMild und kalt (alle Außentemperaturen)Tendenziell zu warm im HausNiveau in kleinen Schritten senken (z. B. 0,1 oder 1 je nach Skala), 1 Tag warten, prüfen, wiederholen bis 0–5 °C gerade so erreicht werden.
Neigung anpassenKühle Tage (0–5 °C) passen, aber sehr kalt (≤ -5 °C)An sehr kalten Wintertagen wird es nicht mehr richtig warmNeigung leicht erhöhen (z. B. 0,6 → 0,7), damit die Vorlauftemperatur bei Frost stärker ansteigt.
Neigung anpassenKühle Tage passen, mildes Wetter (z. B. 10 °C)Bei mildem Wetter wird es zu warmNeigung leicht senken.

Dieser Prozess ist ein Herantasten. Das Ziel ist die perfekte Balance. Eine gute Hilfestellung bietet auch die Verbraucherzentrale mit ihrer Erklärung zum Thema Heizung optimieren.

Die Herausforderung: Vorlauftemperatur im Altbau

Der Mythos „Wärmepumpen im Altbau funktionieren nicht“ hält sich hartnäckig. Die Wahrheit ist: Mit der richtigen Einstellung und gezielten Maßnahmen heizt du auch dein Bestandsgebäude hocheffizient. Es erfordert nur eine genauere Planung.

Warum ein Altbau oft eine höhere Vorlauftemperatur benötigt

Es gibt zwei Gründe für hohe Vorlauftemperaturen in älteren, unsanierten ider teilsanierten Häusern

Höhere Wärmeverluste

Die Gebäudehülle ist oft schlechter gedämmt. Alte Fenster, eine ungedämmte Kellerdecke oder ein ungedämmtes Dach führen dazu, dass mehr Wärme verloren geht. Diese Verluste müssen durch eine höhere Heizleistung ausgeglichen werden.

Keine Angst!

Das ist kein Spezifikum der Wärmepumpe: Jedes Heizsystem muss erhöhte Wärmeverluste durch die Gebäudehülle durch eine höhere Heizleistung ausgleichen. Der zusätzliche Energiebedarf dazu ist bei allen Heizsystemen gleich.

Kleine Heizflächen

Um einen Raum mit einer niedrigen Vorlauftemperatur von z. B. 45 °C warm zu bekommen, braucht man eine größere Heizfläche, die die Wärme an den Raum abgeben kann, als bei einer höheren Vorlauftemperatur. Klassische Rippenheizkörper oder kleine Plattenheizkörper wurden zwar für alte Öl- oder Gasheizungen konzipiert, die mit Vorlauftemperaturen von 70 °C oder mehr liefen, aber auch niedrigere Vorlauftemperaturen mit einer Wärmepumpe und einer Auslegung oft auf 55 °C liefern gute Ergebnisse. Damit sind Altbauten auch ohne Fußbodenheizung oft gut für eine Wärmepumpe gerüstet. Und unsere Erfahrung zeigt: Die Heizflächen sind meist ausreichend dimensioniert und die alten Heizkörper funktionieren auch häufig mit einer Wärmepumpe. Sollte die Heizfläche dennoch zu klein sein, lassen sich Heizkörper ganz einfach tauschen.

Übrigens funktionieren Wärmepumpen nicht nur mit Fußbodenheizungen. Der Unterschied ist lediglich, dass die Wassertemperatur bei Heizkörpern höher sein muss als bei einer Fußbodenheizung, um genügend Wärme an den Wohnraum abgeben zu können. Dies liegt an der geringeren Fläche der Heizkörper im Vergleich zum Fußboden. Moderne Wärmepumpen können mühelos ausreichende Wassertemperaturen für die Nutzung klassischer Heizkörper zur Verfügung stellen.

Richtwerte finden: Vorlauftemperatur im Eigenheim

Jedes Haus ist anders, aber unsere Erfahrung hat gezeigt, dass es klare Richtwerte gibt. Nutze diese Tabelle als Ausgangspunkt für deine eigene Optimierung und zur Steigerung deiner Effizienz. Ziel ist es immer, am unteren Ende des jeweiligen Bereichs zu landen.

Gebäudetyp
Heizsystem
Empfohlene max. Vorlauftemperatur
Neubau (KfW 40/55)

Fußbodenheizung

30 - 35 °C

Sanierter Altbau

Fußbodenheizung / Niedertemperatur-Heizkörper

35 - 45 °C

Teilsanierter Altbau

Übergroße Plattenheizkörper

45 - 50 °C

Unsaniert (mit Optimierung)

Vorhandene Heizkörper

50 - 55 °C

*Diese Werte gelten für kalte Wintertage (~-5 bis -10°C). Bei milderen Temperaturen sollte die Vorlauftemperatur dank der Heizkurve natürlich deutlich niedriger sein.

Fazit: Nimm die Effizienz deiner Wärmepumpe selbst in die Hand

Die Vorlauftemperatur ist der entscheidende Faktor für die Effizienz und die Betriebskosten deiner Wärmepumpe. Eine hohe Stromrechnung liegt selten am Gerät selbst, sondern fast immer an einer nicht optimal eingestellten Systemhydraulik und Regelung.

Wusstest du?

Mit spezifischen Stromtarifen für Wärmepumpen kannst du den Betrieb noch effizienter gestalten. Wie genau das funktioniert, erfährst du in unserem Ratgeber: „Wärmepumpen Stromtarif: Der komplette Guide zu Kosten„.

Die gute Nachricht ist: Du hast die Kontrolle. Mit dem Verständnis für die Heizkurve und ein wenig Unterstützung kannst du die Einstellungen deiner Anlage an dein Haus anpassen. Maßnahmen wie der hydraulische Abgleich und der Austausch alter Heizkörpern schaffen die nötigen Voraussetzungen. Besonders im Altbau kann dadurch die Vorlauftemperatur der Wärmepumpe auf ein effizienzes Niveau gesenkt werden.

Häufige Fragen zur Vorlauftemperatur (FAQ)

Die maximal zulässige Vorlauftemperatur für Standard-Wärmepumpen beträgt laut aktuellen Normen 60°C. Für einen effizienten Betrieb liegen die typischen Auslegungstemperaturen jedoch meist zwischen 35°C und 55°C, passend für Flächenheizungen oder Niedertemperaturheizkörper. Die höhere Grenze von 60°C ermöglicht den Einsatz auch in Bestandsgebäuden mit klassischen Heizkörpern.

Die Heizkurve definiert das mathematische Verhältnis zwischen der Außentemperatur und der benötigten Vorlauftemperatur deiner Heizungsanlage. Sie stellt sicher, dass bei sinkenden Temperaturen automatisch heißeres Wasser fließt, um die gewünschte Raumtemperatur ohne manuelles Eingreifen konstant zu halten. Gesteuert wird diese Kennlinie primär durch die zwei Parameter Neigung und Niveau.

Die Feinanpassung der Heizkurve kannst du mit Geduld und unserer Anleitung gut selbst vornehmen. Du kennst dein eigenes Haus und dein Komfortempfinden am besten. Für die Grundeinstellung nach der Installation, insbesondere in Kombination mit einem hydraulischen Abgleich, ist die Expertise eines Fachbetriebs jedoch unerlässlich. Er stellt sicher, dass die Basis korrekt ist, auf der du dann deine Feinoptimierung durchführen kannst.

Die Vorlauftemperatur wird über die Heizkurve so eingestellt, dass sie so niedrig wie möglich ist, während der Wohnkomfort gerade noch erhalten bleibt. Jedes Grad weniger reduziert deinen Stromverbrauch um etwa 2,5 Prozent. Idealerweise testest du die Einstellung an kalten Tagen bei voll geöffneten Thermostaten.

Eine Senkung der Vorlauftemperatur um nur 1 °C spart bei Wärmepumpen rund 2,5 % Stromkosten. In der Praxis lassen sich durch optimierte Einstellungen jährlich oft 100 € bis 200 € an Heizkosten einsparen. Bereits eine moderate Reduzierung um 3 °C senkt die Stromrechnung bei typischem Verbrauch um etwa 90 € pro Jahr.


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