Startseite • Ratgeber • Photovoltaikanlagen • Autarkie bei Photovoltaik: Bedeutung & Autarkiegrad berechnen Autarkie bei Photovoltaik: Bedeutung & Autarkiegrad berechnen Der Autarkiegrad zeigt dir, welchen Anteil des Stromverbrauchs eines Haushalts das PV-Speichersystem deckt. Hier erfährst du, wie die Berechnung funktioniert und wie viel Autarkie für dein Haus realistisch ist. Lukas Batz 30 Okt. 2026 ・9 Min Lesezeit Teilen Das Wichtigste in Kürze Autarkie bei Photovoltaik bedeutet, seinen Strom selbst zu erzeugen. Der Autarkiegrad zeigt, welchen Anteil deines Stromverbrauchs PV-Anlage und Speicher decken. Autarkiegrad (%) = selbst gedeckter Verbrauch / Gesamtverbrauch x 100. Ohne Speicher ist ein Autarkiegrad von knapp 30 % üblich. Mit Speicher sind 50 bis 80 % realistisch. Mehr Autarkie bringen ein Stromspeicher, Verbrauch bei Sonnenschein und ein Energiemanagementsystem. 100 % Autarkie ist praktisch nicht erreichbar, weil im Winter zu wenig Sonne scheint. Was bedeutet Autarkie bei Photovoltaik? Autarkie bedeutet vollständige oder teilweise Selbstversorgung und Unabhängigkeit. Bei Photovoltaik geht es dabei um die selbstständige Versorgung mit Strom, möglichst unabhängig von anderen Lieferanten oder Quellen. Der Haushaltsstrom soll durch den direkt genutzten Solarstrom des PV-Speichersystems oder durch die Entladung des Batteriespeichers gedeckt werden. Das wird durch den Autarkiegrad sichtbar gemacht. Was sagt der Autarkiegrad aus? Der Autarkiegrad beschreibt den Anteil deines Gesamtstromverbrauchs, der mithilfe deines PV-Speichersystems versorgt wird. Er zeigt also an, zu wie viel Prozent du dich mit deinem eigenen Strom versorgen kannst. Bei einem Autarkiegrad von 60 % bist du zu 60 % autark und beziehst 40 % aus dem Netz. Autarkiegrad vs. Eigenverbrauchsanteil Der Eigenverbrauchsanteil – auch Eigenverbrauchsquote genannt – zeigt den Anteil des erzeugten Solarstroms, der direkt im Haus genutzt oder zum Laden des Batteriespeichers verwendet wird. Der Autarkiegrad betrachtet also die Deckung deines Stromverbrauchs, während der Eigenverbrauchsanteil die Nutzung des erzeugten Solarstroms beschreibt. Mehr darüber findest du im Ratgeber zum Eigenverbrauch einer PV-Anlage. Wie berechnest du den Autarkiegrad? Den Autarkiegrad berechnest du, indem du den Stromverbrauch, den die PV-Anlage direkt und über den Batteriespeicher deckt, durch den Gesamtstromverbrauch teilst und dann mit 100 multiplizierst. Die Formel dafür sieht so aus: Autarkiegrad (%) = (direkt durch die PV-Anlage gedeckter Stromverbrauch + aus dem Batteriespeicher gedeckter Stromverbrauch) / gesamter Stromverbrauch × 100. Rechenbeispiel mit 4.000 kWh Jahresverbrauch Beispielwerte Jahresstromverbrauch: 4.000 kWh PV-Leistung: 4 kWp Nutzbare Speicherkapazität: 4 kWh Direkt aus der PV-Anlage genutzt: 1.300 kWh Aus dem Batteriespeicher gedeckt: 800 kWh Die Rechnung: Gedeckter Verbrauch: 1.300 kWh + 800 kWh = 2.100 kWh Autarkiegrad: 2.100 kWh / 4.000 kWh × 100 = 52,5 % Verbleibender Netzbezug: 4.000 kWh − 2.100 kWh = 1.900 kWh Welche Faktoren verändern den Autarkiegrad? Der Autarkiegrad hängt vom Jahresverbrauch, vom zeitlichen Verbrauchsprofil, von der PV-Leistung und von der nutzbaren Speicherkapazität ab. Deshalb kann es auch bei zwei gleichen Jahresverbräuchen zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Faktor Auswirkung auf Autarkiegrad Höherer Jahresverbrauch senkt ihn Verbrauch bei Sonnenschein erhöht ihn Größere PV-Anlage erhöht ihn (ohne passenden Speicher aber nur wenig) Batteriespeicher erhöht ihn Wärmepumpe senkt ihn (je höher der Heizwärmebedarf ist, desto stärker) Energiemanagementsystem erhöht ihn E-Auto abhängig vom Laden (mit Überschussladen höherer Solaranteil) Verschattung, ungünstige Ausrichtung senken ihn Jahresverbrauch und Verbrauchsprofil Je mehr Strom ein Haushalt im Jahr braucht, desto kleiner ist der Anteil, den dieselbe PV-Anlage decken kann. Außerdem ist es wichtig, wann der Verbrauch anfällt. Strom, den du mittags bei Sonnenschein brauchst, liefert die PV-Anlage direkt. Wer zum Beispiel Waschmaschine oder Trockner bei Sonnenschein laufen lässt, verschiebt Verbrauch in diese Stunden und nutzt mehr Solarstrom selbst. PV-Anlage und Speicher wachsen gemeinsam Eine größere PV-Anlage und ein größerer Speicher erhöhen den Autarkiegrad, aber nur, wenn sie gemeinsam wachsen. Ohne passenden Speicher fließt zusätzlicher Solarstrom mittags ins Netz. Und bei einer kleinen PV-Anlage reicht der Überschuss dagegen nicht, um einen großen Speicher zu füllen. Wie sich die Größe der Photovoltaikanlage planen lässt, hängt vom konkreten Dach und Standort ab. Welche Speichergröße dazu passt, erklärt der Ratgeber zum Thema Solarstrom speichern. Wärmepumpe und E-Auto Eine Wärmepumpe braucht den meisten Strom im Winter, wenn die Stromproduktion der PV-Anlage am niedrigsten ist. Haushalte mit Wärmepumpe erreichten bei gleicher Anlage deshalb einen niedrigeren Autarkiegrad als der Durchschnitt. Je besser das Haus gedämmt ist, desto höher bleibt der Autarkiegrad. Ein E-Auto erhöht ebenfalls den Verbrauch. Mit Überschussladen richtet sich die Ladeleistung nach dem Solarüberschuss. Das steigert den Solaranteil am Ladestrom im Mittel um 25 Prozentpunkte, während ein Heimspeicher den Anteil nur um 9 Prozentpunkte erhöht. Welcher Autarkiegrad ist realistisch? Ohne Batteriespeicher deckt eine Photovoltaikanlage im Einfamilienhaus meist knapp 30 Prozent des Stromverbrauchs. Mit Stromspeicher sind je nach Größe von Anlage und Batterie 50 bis 80 Prozent realistisch. Richtwerte nach Anlagengröße Die Übersicht zeigt, welche Autarkiegrade die HTW Berlin ermittelt hat. Ausstattung Autarkiegrad 5 kWp ohne Speicher knapp 30 % bis 4 kWp mit passendem Speicher um 50 % 1 kWp und 1 kWh Speicher je 1.000 kWh Verbrauch über 50 % 5 kWp mit 6 kWh nutzbarem Speicher über 60 % 10 kWp mit 10 kWh nutzbarem Speicher etwa 80 % PV-Anlage mit Speicher und E-Auto im Mittel 73 % PV-Anlage mit Speicher, E-Auto und Wärmepumpe im Mittel 59 % Die ersten fünf Werte stammen aus Simulationen und gelten für reinen Haushaltsstrom ohne Wärmepumpe und E-Auto. Ein Speicher steigerte in 8 von 10 der gemessenen Haushalte den Autarkiegrad um 13 bis 27 Prozentpunkte. Was bedeuten 100 Prozent Autarkie für einen Haushalt? 100 Prozent Autarkie erreicht ein Einfamilienhaus mit PV-Anlage und Speicher praktisch nicht. Im Winter scheint in Deutschland zu wenig Sonne und diese Lücke müssten Anlage und Batterie überbrücken. Das ginge nur mit extrem großen Systemen und ist weder ökonomisch noch ökologisch sinnvoll. Auch dann sind nur rund 80 Prozent erreichbar. Den Rest bezieht der Haushalt vor allem in den Wintermonaten aus dem Netz. Deshalb zählt für die Planung nicht nur ein möglichst hoher Autarkiegrad. Inselbetrieb und Notstrom Ein hoher Autarkiegrad bedeutet nicht, dass bei einem Stromausfall im Haus das Licht anbleibt. Die meisten Photovoltaikanlagen sind ans Netz gekoppelt und schalten dann aus Sicherheitsgründen ab, auch bei Sonnenschein. So können Techniker gefahrlos am Netz arbeiten. Strom liefert die Anlage dann nur mit einem Speicher, der eine Not- oder Ersatzstromfunktion hat. Wie das funktioniert, erklärt dir der Ratgeber zum Stromspeicher mit Notstromversorgung. Eine Inselanlage arbeitet ganz ohne Netzanschluss. Sie lohnt sich vor allem dort, wo ein Anschluss nicht möglich oder sehr teuer ist. Mehr dazu findest du im Ratgeber zur Photovoltaik-Inselanlage. Wie ordnest du den Autarkiegrad für dein Haus ein? Für eine erste Einordnung rechnest du PV-Leistung und Speicherkapazität auf je 1.000 kWh Jahresverbrauch um. Mit 1 kWp und 1 kWh je 1.000 kWh liegst du im Mittel bei über 50 Prozent Autarkie. Mit mehr Leistung und mehr Stromspeicher steigt der Wert, bei sehr großen Speichern aber nur noch wenig. Durchschnittlicher Stromverbrauch nach Haushaltsgröße Kennst du deinen Verbrauch nicht, helfen dir diese Durchschnittswerte weiter. Haushaltsgröße Jahresstromverbrauch 1 Person 1.900 kWh 2 Personen 2.900 kWh 3 Personen 3.700 kWh 4 Personen 4.100 kWh 5 Personen 5.100 kWh Bei der Speichergröße empfiehlt die HTW Berlin für Einfamilienhäuser höchstens 1,5 kWh nutzbare Kapazität je 1 kW PV-Leistung und höchstens 1,5 kWh je 1.000 kWh Jahresverbrauch. Nächster Schritt: Fachbetrieb in deiner Nähe finden Welcher Autarkiegrad mit deinem Dach, deinem Verbrauchsprofil und deinem Speicher erreichbar ist, rechnet ein Fachbetrieb für dich durch. Finde einen enerix Fachbetrieb in deiner Nähe. Häufige Fragen zur Autarkie bei Photovoltaik Was bedeutet Autarkie bei Photovoltaik? Gemeint ist die Stromautarkie. Du deckst deinen Strombedarf selbst, statt ihn aus dem Netz zu beziehen. Wie weit das gelingt, zeigt der Autarkiegrad. Er gibt an, welchen Anteil deines Stromverbrauchs die PV-Anlage direkt und über den Batteriespeicher deckt. Ein Autarkiegrad von 60 Prozent heißt also, dass 60 Prozent deines Stroms vom eigenen Dach stammen. Wie hoch ist der Autarkiegrad einer Photovoltaikanlage? Ohne Stromspeicher deckt eine Photovoltaikanlage im Einfamilienhaus meist knapp 30 Prozent des Stromverbrauchs. Mit Speicher sind je nach Größe von Anlage und Speicher 50 bis 80 Prozent realistisch. Haushalte mit Speicher und E-Auto erreichten in Messdaten der HTW Berlin im Mittel 73 Prozent. Mit zusätzlicher Wärmepumpe waren es 59 Prozent. Wie errechnet sich der Autarkiegrad? Du teilst den selbst gedeckten Stromverbrauch durch den Gesamtstromverbrauch und multiplizierst das Ergebnis mit 100. Selbst gedeckt ist der Strom, den du direkt von der PV-Anlage nutzt, plus der Strom aus dem Batteriespeicher. Beide Werte müssen denselben Zeitraum betreffen, meist ein Jahr. Deckst du 2.100 von 4.000 kWh selbst, liegt dein Autarkiegrad bei 52,5 Prozent. Was ist der Unterschied zwischen Autarkiegrad und Eigenverbrauchsquote? Der Autarkiegrad zeigt, welchen Anteil deines Stromverbrauchs die PV-Anlage samt Speicher deckt. Die Eigenverbrauchsquote zeigt, welchen Anteil des erzeugten Solarstroms du selbst nutzt. Eine größere Anlage erhöht deshalb meist den Autarkiegrad, senkt aber die Eigenverbrauchsquote, weil mehr Überschuss ins Netz fließt. Wie kann ich meinen Autarkiegrad erhöhen? Den größten Sprung bringt in aller Regel ein Stromspeicher, der zur Größe deiner PV-Anlage passt. In 8 von 10 Haushalten hebt der Stromspeicher den Autarkiegrad um 13 bis 27 Prozentpunkte. Außerdem hilft es, Waschmaschine und Trockner bei Sonnenschein laufen zu lassen. Ein E-Auto lädst du am besten per Überschussladen, eine Wärmepumpe steuert ein Energiemanagementsystem. Ist man mit einer PV-Anlage komplett autark? Nein. Mit einer PV-Anlage und einem sinnvoll dimensionierten Stromspeicher wird ein Einfamilienhaus in Deutschland nicht vollständig autark. Im Winter ist die Stromproduktion zu gering, um den Verbrauch zu decken. Mit großer Anlage und großem Speicher sind rund 80 Prozent erreichbar. Den Rest beziehst du vor allem in den Wintermonaten aus dem Netz. Ist eine Photovoltaikanlage bei Stromausfall autark? Nicht automatisch. Eine netzgekoppelte Photovoltaikanlage schaltet bei einem Stromausfall aus Sicherheitsgründen ab, auch bei Sonnenschein. Weiter Strom liefert sie nur mit einem Stromspeicher, der eine Not- oder Ersatzstromfunktion hat. Basis-Notstrom versorgt meist nur eine einzelne Steckdose am Speicher, Ersatzstrom das ganze Haus. Quellen energieforschung.de (Bundesministerium für Wirtschaft und Energie), Glossar: „Autarkie“ HTW Berlin: „Unabhängigkeitsrechner“ Tjaden, T.; Weniger, J.; Quaschning, V.: „Individuelle Autarkie“, Fachartikel in pv magazine 02/2014, veröffentlicht auf der Website der HTW Berlin HTW Berlin, Forschungsgruppe Solarspeichersysteme: „HTW Berlin entwickelt Unabhängigkeitsrechner zur Analyse der Eigenversorgung mit Solarstrom“, Pressemitteilung, Juli 2014 HTW Berlin: „FAQ zum Unabhängigkeitsrechner“ Volker Quaschning: „Unabhängigkeitsrechner“ (volker-quaschning.de) Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz: „Autark mit Wärmepumpe, Photovoltaik-Anlage und Batteriespeicher … geht das?“, Faktencheck, Stand 03/2022 Weniger, J.; Tjaden, T.; Quaschning, V.: „Solare Unabhängigkeitserklärung“, Fachartikel in photovoltaik 10/2012, veröffentlicht auf der Website der HTW Berlin HTW Berlin, Forschungsgruppe Solarspeichersysteme: „Solares Laden von Elektrofahrzeugen: HTW Berlin nimmt 730 Haushalte mit Solaranlage und Elektrofahrzeug unter die Lupe“, Pressemitteilung über den Informationsdienst Wissenschaft (idw), 28.04.2025 Lukas Batz Lukas Batz ist seit Oktober 2026 bei enerix als Trainee im Online-Marketing und kümmert sich um Suchmaschinenoptimierung und Ratgeberinhalte. Seinen Bachelor in Digital Business hat er in Ingolstadt abgeschlossen. Schon während des Studiums haben... Erfahre mehr über mich Das könnte dich auch interessieren PV Speicher Brand: Passiert das wirklich so häufig oder ist das ein Mythos? In den letzten Monaten gab es immer wieder Berichte in den Medien über Brandfälle bei PV Speichern. Da stellt sich die Frage: Wie steht es um die Sicherheit des eigenen Systems? Erfahre mehr Heizungsförderung 2026: Bis zu 80 % Zuschuss vom Staat Die staatliche Förderung für den Austausch alter Heizungen auf umweltfreundliche Wärmepumpen wurde erweitert. Die Zuschüsse betragen mindestens 30 Prozent der Kosten, wobei Boni bis zu 80 Prozent möglich sind. Erfahre mehr Photovoltaikanlage installieren: von der Planung bis zur Inbetriebnahme Überlegst du, deine PV-Anlage selbst zu installieren, um Kosten zu sparen? Dieser Guide klärt die entscheidende Frage: DIY oder Profi? 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