Nahosteskalation treibt Ölpreise: Warum die Energiewende jetzt zur Sicherheitsfrage wird

Warum die Eskalation am Golf zeigt, dass erneuerbare Energien kein Öko-Projekt sind, sondern Sicherheitspolitik.

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Am Wochenende des 28.02.2026 USA und Israel haben einen militärischen Großangriff gegen den Iran gestartet, der Iran hat mir Vergeltungsschlägen auf amerikanische Militärbasen in den Golfstaaten geantwortet. Die Straße von Hormus, eine der wichtigsten Handelsrouten im internationalen Öl- und Gashandel, wurde gesperrt und der Heizölpreis ist am 02.03.2026 auf über 120 € gestiegen. Die Tendenz ist weiterhin steigend. Was genau das für die Heizpreise in Deutschland bedeutet, erfährst du im Beitrag.

Das Wichtigste in Kürze

  • Seit Samstag herrscht Krieg im Iran, die USA und Israel haben einen militärischen Großangriff gestartet, und die Straße von Hormus wurde gesperrt.
  • Über die Straße von Hormus laufen mehr als 20 Prozent des weltweiten Öltransports, und deutsche Endverbraucher haben darauf keinen Einfluss.
  • Der Heizölpreis in Deutschland lag am 2. März 2026 bei durchschnittlich 111,78 Cent pro Liter und stieg gegenüber dem Vortag um über 15 Prozent.
  • Sollte die Straße von Hormus länger blockiert bleiben, fehlen dem Weltmarkt acht bis zehn Millionen Barrel Rohöl pro Tag.
  • 2025 wurden 299.000 Wärmepumpen abgesetzt, was einem Marktanteil von fast 48 Prozent im deutschen Heizungsmarkt entspricht.

Was mich an dieser Situation am meisten beschäftigt, ist die Tatsache, dass Millionen deutscher Haushalte an einem Montagmorgen aufwachen und feststellen wie abhängig sie von Ereignissen sind, die tausende Kilometer weg in entfernten Ländern stattfinden: Die Fahrt eines Tankers in der Meerenge am Persischen Golf bestimmt, wie die Heizkosten aussehen. Aber ob dieser Tanker fährt oder nicht, entscheiden weder die Bundesregierung noch die Hausbesitzer. Es sind geopolitische Kräfte, auf die Endverbraucher keinen Einfluss haben, die den Takt angeben. Weder die Bundesregierung noch die deutsche Bevölkerung hätten die USA davon abhalten können, ihre Raketen loszuschicken.

Wer aber eine Photovoltaikanlage auf dem Dach hat, eine Wärmepumpe im Keller und einen Speicher an der Wand, für den änderte sich an diesem Montag nichts.

Wieso ist die Straße von Hormus so wichtig?

Wer verstehen will, warum ein militärischer Konflikt am Persischen Golf die Heizkosten eines Einfamilienhauses in Deutschland innerhalb von Stunden verändert, muss sich die Lieferkette anschauen. Öl wird in Saudi-Arabien, im Irak, in den Emiraten, in Kuwait, in Bahrain und in Qatar gefördert. Es wird auf Tanker verladen. Diese Tanker müssen durch die Straße von Hormus und von dort geht es über Tausende Kilometer nach Europa.

Daneben ist die Meerenge von Hormus auch eine wichtige Transitstraße für Flüssigerdgas. Qatar ist nach den USA das zweitgrößte Exportland für LNG. Die Lieferungen aus den LNG-Terminals dort müssen durch die Straße von Hormus, um Abnehmer in Asien und Europa zu erreichen.

Die Straße von Hormus ist eine 50 km breite Meerenge zwischen dem Oman, den Vereinigten Arabischen Emiraten und dem Iran. Drei Kilometer breit sind die passierbaren Stellen in beide Richtungen. Genau diese Meerenge ist es, worüber mehr als 20 % des weltweiten Öltransports laufen.

Strasse von Hormus 1
Die Straße von Hormus im Nahen Osten ist die wichtigste Handelsroute für Öl und Gas aus den Golfstaaten.

Die Rechnung, die jetzt auf dem Tisch liegt

Durch die Sperrung der Meerenge stieg der Heizölpreis in Deutschland rasant an. Erst am 2. März 2026 lag er bei durchschnittlich 111,78 Cent pro Liter: ein Plus von über 15 Prozent allein zum Vortag. Vor einer Woche lag der Preis noch rund 15 Euro pro 100 Liter niedriger, vor drei Monaten sogar über 20 Euro.

Für einen typischen Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 2.500 Litern bedeutet das: Die jährlichen Heizkosten sind innerhalb weniger Wochen um mehrere Hundert Euro gestiegen. Und das ist möglicherweise erst der Anfang.

Die OPEC+ (Organisation erdölexportierender Länder) hat am Sonntag mit einer Produktionserhöhung von lächerlichen 206.000 Barrel pro Tag reagiert. Das sind weniger als 0,2 Prozent der weltweiten Nachfrage. Das Problem: Die Preise reagieren auf die Lage am Golf und den Status der Schifffahrtswege, nicht auf eine relativ kleine Produktionssteigerung. Sollte die Straße von Hormus länger blockiert bleiben, fehlen dem Weltmarkt acht bis zehn Millionen Barrel Rohöl pro Tag.

Und hier liegt das zentrale Paradoxon: Die gesamte Reservekapazität der OPEC befindet sich geografisch genau dort, wo der Konflikt tobt: am Persischen Golf in den Lieferstaaten Saudi-Arabien, Bahrain, Irak, VAE, Kuwait und Qatar. Selbst wenn einer der Staaten seine Förderung hochfahren wollte, kommt das Öl nicht aus der Region heraus, solange Hormus blockiert ist.

Was das für deutsche Hausbesitzer bedeutet

Die Auswirkungen treffen jeden, der mit Öl oder Gas heizt – sofort und spürbar. Wer dagegen auf erneuerbare Wärme setzt, bleibt von den Preisschocks verschont. Die folgende Gegenüberstellung zeigt, wie unterschiedlich die aktuelle Krise zwei Eigenheimbesitzer trifft:

Kriterium
Ölheizung
Wärmepumpe + PV
Energieverbrauch / Jahr
ca. 3.000 Liter Heizöl
ca. 10.000 kWh Strom
Kosten vor Iran-Krise (Jan. 2026)
ca. 2.700 €
ca. 2.200 € (mit WP-Tarif)
Kosten aktuell (2. März 2026)
ca. 3.350 € (+24 %)
ca. 2.200 € (unverändert)
Kosten bei 100 $/Barrel Szenario
ca. 4.000+ €
ca. 2.200 € (unverändert)
Geopolitisches Preisrisiko
Hoch (fossile Importe)
Gering (heimischer Strom)

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Während die Heizkosten mit Öl innerhalb weniger Tage um Hunderte Euro gestiegen sind, bleibt die Wärmepumpe stabil. Wer zusätzlich eine PV-Anlage auf dem Dach hat, erzeugt einen Teil des Stroms selbst und senkt die Kosten weiter – auf ein Niveau, das kein geopolitischer Konflikt beeinflussen kann. Denn Sonnenstrahlung wird nicht verschifft, nicht durch Meerengen transportiert und nicht an Börsen gehandelt.

Ein Muster, das sich wiederholt:

Jedes Mal dasselbe Bild: Steigende Energiepreise, Verunsicherung bei Verbrauchern, hektische politische Reaktionen. Wir haben es 2022 beim russischen Angriff auf die Ukraine gesehen, als die Gaspreise explodierten und Millionen Haushalte plötzlich vor der Frage standen, ob sie sich das Heizen noch leisten können. Wir haben es bei den Houthi-Angriffen im Roten Meer gesehen, als Handelsrouten unterbrochen wurden. Und wir sehen es jetzt wieder – mit dem Iran-Konflikt und der Sperrung der Straße von Hormus.

Es ist höchste Zeit, dass die Diskussion über erneuerbare Energien aus der Klimaschutzecke herausgeholt wird. Photovoltaik, Speicher und Wärmepumpe sind sind Sicherheitspolitik. Jedes Dach mit einer Solaranlage, jeder Speicher im Keller, jede Wärmepumpe, die Umgebungswärme statt importiertem Öl nutzt, macht Deutschland ein Stück unabhängiger von geopolitischen Krisen. Das zeigt auch die Entwicklung des Ölpreises:

Die Entwicklung des Ölpreises war stehts geprägt von geopolitischen Ereignissen.

Was uns 20 Jahre in der Branche gelehrt haben

Ich habe die Solarkrise 2012 bis 2014 hautnah erlebt, als die Branche nach dem Kahlschlag der Förderung fast am Boden lag. Solarenergie war politisch einfach nicht gewollt. enerix stand vor der Entscheidung: weitermachen oder aufgeben. Zum Glück haben wir uns damals für das Weitermachen entschieden. Heute, zwölf Jahre später, ist Photovoltaik die günstigste Form der Stromerzeugung und ist nicht an Ölfelder, Transporttanker oder geopolitische Situationen gebunden.

Bei enerix installieren wir seit über 18 Jahren dezentrale Energiesysteme: PV-Anlagen, Speicher und Wärmepumpen. Wir haben zehntausende Anlagen realisiert. Und wenn ich mit den Betreibern dieser Anlagen spreche, höre ich immer dasselbe: Die beste Entscheidung, die sie getroffen haben, war ein Schritt in die Unabhängigkeit. Nicht wegen des Klimaschutzes – obwohl der ein willkommener Nebeneffekt ist. Sondern weil sie ihre Energiekosten selbst in der Hand haben. Weil keine Krise am Persischen Golf, keine Sanktion und kein Börsenspekulant ihren Strompreis bestimmt.

Der Markt reagiert schneller als die Politik

Was mich bei all dem optimistisch stimmt: Die Verbraucher sind der Politik längst voraus. 2025 war die Wärmepumpe mit 299.000 abgesetzten Geräten und einem Marktanteil von fast 48 Prozent erstmals Marktführerin im deutschen Heizungsmarkt. Für 2026 prognostiziert der BDH rund 410.000 Geräte. Und das war die Prognose vor dem Iran-Konflikt. Die tatsächliche Nachfrage dürfte jetzt deutlich höher liegen.

Keine Frage, eine plötzlich steigende Nachfrage birgt auch Risiken. 2022 haben wir erlebt, was passiert, wenn alle gleichzeitig umrüsten wollen: Die Preise für Luft-Wasser-Wärmepumpen zogen um bis zu 40 Prozent an, Lieferzeiten von zwölf Monaten waren keine Seltenheit. Aber die Branche hat dazugelernt. Die Hersteller haben 2024 und 2025 über sieben Milliarden Euro in neue Produktionskapazitäten investiert. Die Lieferketten sind stabiler, die Installationskapazitäten gewachsen.

Mein Rat an Eigenheimbesitzer ist deshalb klar: Wer den Umstieg plant, sollte jetzt handeln – nicht in Panik, aber mit Entschlossenheit. Die Konditionen sind heute besser als in sechs Monaten, wenn die Nachfrage krisenbedingt weiter anzieht. Die Förderung über die KfW ist vorhanden – bis zu 70 Prozent Zuschuss beim Heizungstausch, zinsverbilligte Kredite für Selbstnutzer. Wer wartet, bis der Heizölpreis bei 1,50 Euro steht, zahlt mehr für die Wärmepumpe und mehr für das Öl in der Zwischenzeit. Zusätzlich steigen die Preise für Gas und Öl seit diesem Jahr durch die CO₂-Bepreisung mit jedem Jahr wahrscheinlich kontinuierlich an. In ein paar Jahren könnte einem eine Gas- oder Ölheizung also doppelt teuer kommen.

Fazit: Die teuerste Energie ist die, die wir nicht kontrollieren

Dreimal in zehn Jahren hat uns eine geopolitische Krise gezeigt, wie verwundbar eine fossil abhängige Energieversorgung ist. Dreimal haben die Preise reagiert, bevor die Politik auch nur ein Statement formuliert hatte. Und dreimal war die Antwort dieselbe: Wer dezentral und erneuerbar versorgt war, hat die Krise besser überstanden.

Wer heute eine Öl- oder Gasheizung einbaut, bindet sich für Jahrzehnte an einen Brennstoff, dessen Preis er nicht beeinflussen kann. Wer stattdessen auf Systeme mit PV, Speicher und Wärmepumpe setzt, investiert in etwas, das ihm niemand wegnehmen kann: die Kontrolle über seine eigenen Energiekosten.

Ob Russische Angriffe aus die Gasversorgung, jemenitische Drohnen oder iranische Meeresblockaden die Krisen werden nicht weniger. Der Ausweg liegt auf dem Dach.

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