Wärmepumpe Vorlauftemperatur: So optimierst du sie für niedrige Stromkosten

Die richtige Vorlauftemperatur für deine Wärmepumpe senkt Stromkosten deutlich. Der Ratgeber erklärt die Bedeutung der Heizkurve, zeigt Schritt für Schritt die optimale Einstellung und gibt praxisnahe Tipps für Neubau und Altbau, um Effizienz und Jahresarbeitszahl nachhaltig zu verbessern.

Heizkörper einer Heizung

Die Vorlauftemperatur ist das Heizwasser, das deine Wärmepumpe zu den Heizkörpern oder der Fußbodenheizung schickt. Je höher diese Temperatur, desto härter muss der Kompressor arbeiten. Laut Bundesverband Wärmepumpe senkt jedes Grad weniger Vorlauftemperatur den Stromverbrauch um rund 2,5 % (BWP Bundesverband Wärmepumpe, 2025). Bei einer Anlage mit 3.000 kWh Jahresverbrauch sind das 75 kWh pro Grad – oder rund 25 € im Jahr bei 35 Cent/kWh.

In diesem Ratgeber erfährst du, welche Vorlauftemperatur für dein Haus richtig ist, wie du die Heizkurve Schritt für Schritt einstellst, ob 70 °C wirklich so ineffizient sind und was es mit der viel zitierten 20-Grad-Regel auf sich hat.

Das Wichtigste auf einen Blick
  • Faustregel: Jedes Grad Celsius weniger Vorlauftemperatur spart 2,5 % Strom (BWP, 2025). Bei 3 Grad Optimierung: rund 90 € weniger im Jahr.
  • Richtwerte: Fußbodenheizung 30–35 °C, Niedertemperatur-Heizkörper 45–55 °C, Altbau mit alten Heizkörpern bis 60 °C.
  • 70 °C: Nur für Hochtemperatur-Wärmepumpen in unsanierten Altbauten sinnvoll. Standard-Wärmepumpen verlieren ab 55 °C stark an Effizienz (JAZ sinkt auf unter 2,0).
  • Heizkurve: Neigung und Niveau selbst anpassen ist möglich – erfordert aber Geduld und kalte Testtage.
  • Voraussetzung: Hydraulischer Abgleich ist die Basis. Ohne ihn bringt die beste Heizkurve wenig.

Was ist die Vorlauftemperatur einer Wärmepumpe?

Die Vorlauftemperatur ist die Temperatur des Heizwassers, das die Wärmepumpe an die Heizflächen (Heizkörper oder Fußbodenheizung) liefert. Ihr Gegenstück ist die Rücklauftemperatur: das abgekühlte Wasser, das zur Wärmepumpe zurückkehrt. Die Differenz zwischen beiden Werten heißt Spreizung und liegt bei gut eingestellten Anlagen bei 5 bis 10 °C.

Warum ist sie so entscheidend? Der Kompressor in deiner Wärmepumpe – das Teil, das den Strom verbraucht – muss umso stärker arbeiten, je weiter er das Heizwasser erwärmt. Die Physik dahinter ist die Carnot-Effizienz: Je kleiner der Temperaturunterschied zwischen Wärmequelle (Außenluft oder Erdreich) und Vorlauf, desto größer die Jahresarbeitszahl (JAZ).

Ein konkretes Beispiel zeigt den Unterschied. Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe bei 7 °C Außentemperatur erreicht mit 35 °C Vorlauf eine JAZ von 4,5 – aus 1 kWh Strom werden also 4,5 kWh Wärme. Bei 55 °C Vorlauf sinkt die JAZ auf rund 2,8. Bei 70 °C liegt sie unter 2,0. Das bedeutet: Du zahlst mehr als doppelt so viel Strom für die gleiche Wärmemenge.

Gut zu wissen: Vorlauftemperatur vs. Raumtemperatur. Viele verwechseln beide Werte. Die Vorlauftemperatur ist die Wassertemperatur im Heizkreis, nicht die Raumtemperatur. Dein Thermostat zeigt die Raumtemperatur an. Die Vorlauftemperatur stellst du an der Steuerung der Wärmepumpe über die Heizkurve ein.

Welche Vorlauftemperatur ist optimal? Richtwerte nach Gebäudetyp

Die richtige Vorlauftemperatur hängt von zwei Faktoren ab: dem Gebäudetyp (Neubau oder Altbau, Dämmstandard) und dem Heizsystem (Fußbodenheizung oder Heizkörper). Als Faustregel gilt: Fußbodenheizungen brauchen 30–35 °C, Heizkörper je nach Gebäudezustand 45–60 °C (Viessmann, 2026).

Gebäudetyp Heizsystem Vorlauftemperatur (Auslegung) Effizienz (JAZ-Bereich)
Neubau (KfW 40/55, gut gedämmt) Fußbodenheizung 30–35 °C Hoch (JAZ 4,0–5,5)
Neubau / sanierter Altbau Niedertemperatur-Heizkörper 40–50 °C Gut (JAZ 3,0–4,0)
Teilsanierter Altbau Heizkörper (mittel) 50–55 °C Mittel (JAZ 2,5–3,5)
Unsanierter Altbau Alte Rippenheizkörper 55–65 °C Niedrig (JAZ 2,0–2,8)
Unsanierter Altbau Alte Heizkörper (klein, schlecht dimensioniert) bis 70 °C (Hochtemp.-WP) Sehr niedrig (JAZ unter 2,0)

Diese Werte gelten als Auslegungstemperatur für den kältesten Tag des Jahres (Normaustemperatür, meist –10 bis –15 °C je nach Region). An milden Herbsttagen läuft dieselbe Anlage mit 25–30 °C Vorlauf – das erledigt die Heizkurve automatisch.

Welche Vorlauftemperatur bei welcher Außentemperatur?

Häufig will man wissen, ob der gerade angezeigte Vorlaufwert plausibel ist. Diese Tabelle gibt Orientierung für eine typisch eingestellte Anlage (mittleres Gebäude, hydraulisch abgeglichen).

Außentemperatur Fußbodenheizung (Neubau/saniert) Heizkörper (Bestand) Altbau mit alten Heizkörpern
–15 °C (Normtag) 43–48 °C 52–58 °C 60–68 °C
–10 °C 38–44 °C 47–53 °C 55–63 °C
–5 °C 34–40 °C 43–49 °C 50–58 °C
0 °C 30–36 °C 38–45 °C 46–54 °C
+5 °C 26–32 °C 34–40 °C 41–49 °C
+10 °C 22–28 °C 29–35 °C 36–44 °C
+15 °C (Heizgrenze) 18–24 °C 24–30 °C 30–38 °C

Richtwerte für eine typische Anlage mit hydraulischem Abgleich. Abweichungen von ±5 °C je nach Gebäude, Heizflächen-Dimensionierung und Heizkurven-Einstellung sind normal. Quelle:Viessmann, 2026.

Heizkurven-Diagramm: Vorlauftemperatur in Abhängigkeit von der Außentemperatur für Fußbodenheizung und Heizkörper

Heizkurven-Richtwerte nach Buderus, Viessmann, BWP (2026). Dargestellt sind typische Auslegungen – konkrete Werte hängen vom jeweiligen Gebäude ab.

Ist eine Vorlauftemperatur von 70 °C bei einer Wärmepumpe effizient?

Nein, 70 °C Vorlauftemperatur ist für eine Standard-Wärmepumpe nicht effizient. Die meisten Luft-Wasser-Wärmepumpen erreichen ihr technisches Maximum bei 60 bis 65 °C. Einige Hochtemperatur-Modelle schaffen 75 °C, verlieren dabei aber stark an Effizienz. Bei 70 °C liegt die JAZ typischerweise unter 2,0 – du erzeugst also weniger als 2 kWh Wärme aus 1 kWh Strom.

Zum Vergleich: Ein moderner Gaskessel hat eine Effizienz von etwa 0,97. Mit einer Wärmepumpe bei 70 °C und JAZ 1,8 erzeugst du wenig mehr Wärme als mit einem Gaskessel – zahlst aber Strom statt Gas. Je nach Energiepreisen kann das in der Praxis sogar teurer sein als eine neue Hocheffizienz-Gastherme.

Wann ist 70 °C dennoch notwendig?

70 °C sind in einem einzigen Szenario unvermeidbar: Du heizt einen unsanierten Altbau mit kleinen, alten Rippenheizkörpern, die ursprünglich für Hochtemperaturkessel (80/60 °C) ausgelegt wurden. In diesem Fall ist eine Hochtemperatur-Wärmepumpe (z. B. mit einem zweistufigen Kompressor oder einem Zusatzheizstab) die einzige Wärmepumpen-Option.

Aus unserer Praxiserfahrung: Wenn die Steuerung deiner Wärmepumpe dauerhaft 70 °C anzeigt, liegt das meist nicht am Gebäude, sondern an einer Fehljustierung der Heizkurve. Vor einem teuren Austausch lohnt es sich, einen Fachbetrieb zum hydraulischen Abgleich zu rufen. Timo Seitz, Geschäftsführer enerix Ostalb/Schwäbisch Hall

Der 50-Grad-Test gibt eine erste Orientierung: Wenn deine Anlage an einem typischen Wintertag (5 bis 10 °C Außentemperatur) bereits 65 bis 70 °C Vorlauftemperatur fährt, deutet das auf zu kleine Heizflächen oder eine zu steile Heizkurve hin – nicht zwingend auf einen Konstruktionsfehler der Wärmepumpe.


Was besagt die 20-Grad-Regel für Wärmepumpen?

Hier lohnt es sich, genau hinzuschauen. Die 20-Grad-Regel stammt ursprünglich aus der Klimatisierungstechnik und besagt dort: Eine Klimaanlage kann die Raumtemperatur maximal 20 °C unter die Außentemperatur kühlen. Sie gilt also für Kühlung – nicht direkt für die Heizfunktion von Wärmepumpen. Im deutschen Sprachraum wird der Begriff dennoch auf Wärmepumpen übertragen, meist in zwei unterschiedlichen Bedeutungen.

Bedeutung 1: Temperaturhub unter 20 °C für hohe Effizienz

In der Wärmepumpen-Praxis wird manchmal die Faustregel verwendet: Je kleiner der Temperaturhub (also der Unterschied zwischen Quelltemperatur und Vorlauftemperatur), desto höher die Effizienz. Als grobe Orientierung gilt: Liegt der Temperaturhub unter 20 °C, arbeitet die Wärmepumpe im guten Effizienzbereich. Konkret: Wenn es außen 5 °C hat und du 22 °C Vorlauftemperatur fährst, ist der Hub 17 °C – exzellent. Bei 5 °C Außentemperatur und 55 °C Vorlauf beträgt der Hub 50 °C – ein typischer, aber suboptimaler Betriebspunkt.

Merke: Den Temperaturhub berechnen. Temperaturhub = Vorlauftemperatur minus Quelltemperatur. Bei einer Luft-Wasser-Wärmepumpe ist die Quelltemperatur die Außentemperatur. Bei einer Sole-Wasser-Anlage ist es die Sole-Eintrittstemperatur (ca. 0–5 °C im Winter). Je kleiner der Hub, desto größer die JAZ.

Bedeutung 2: Minimale Betriebstemperatur der Luftwärmepumpe

Eine zweite Verwendung der 20-Grad-Regel bezieht sich auf den Monovalenzpunkt: Standard-Luftwärmepumpen verlieren bei sehr tiefen Außentemperaturen stark an Leistung. Unterhalb von –15 bis –20 °C schalten viele Anlagen automatisch auf elektrischen Zusätzheizstab um. Das ist normal und technisch vorgesehen – in Deutschland treten solche Extreme aber selten und selten über mehrere Tage auf.

Die Heizkurve richtig einstellen: Schritt für Schritt

Die Heizkurve ist die Betriebsanweisung deiner Wärmepumpe: Sie legt fest, wie hoch die Vorlauftemperatur bei einer bestimmten Außentemperatur sein soll. Das Ziel ist eine möglichst flache Kurve auf niedrigem Niveau – ohne dass der Wohnkomfort darunter leidet (Vaillant, 2026). Zwei Parameter bestimmen die Kurve: die Neigung und das Niveau (manchmal auch Parallelverschiebung genannt).

Vorbereitung: Drei Schritte vor der Einstellung

  1. Thermostatventile voll aufdrehen. Alle Heizkörper in genutzten Räumen auf Stufe 5 stellen. So bekommst du ein ungefiltertes Bild, wie die Anlage ohne Drosselung arbeitet.
  2. Aktuelle Einstellungen fotografieren. Neigung und Niveau aus dem Steuerungsmenü notieren. Du kannst jederzeit zur Ausgangslage zurück.
  3. Richtigen Zeitpunkt wählen. Kalt und bedeckt, idealerweise 0 bis +5 °C Außentemperatur. Sonnige Tage verzerren die Einschätzung durch solare Gewinne.

Anleitung: Neigung und Niveau anpassen

Schritt Wann? Problem Maßnahme
1. Niveau senken Bei allen Außentemperaturen zu warm Haus wird mehr beheizt als nötig Niveau um 1 Schritt senken, 24 h warten, prüfen, wiederholen bis Grenze erreicht
2. Neigung senken Kalt draußen (0 °C): OK, mild (10 °C): zu warm Bei mildem Wetter überhitzt Neigung leicht senken (z. B. 0,7 → 0,6)
3. Neigung erhöhen Mild (0 °C): OK, sehr kalt (–10 °C): zu kalt Bei Frost keine ausreichende Heizleistung Neigung leicht erhöhen (z. B. 0,6 → 0,7)

Lass nach jeder Änderung mindestens 24 Stunden vergehen. Wärmepumpen reagieren träge – besonders bei Fußbodenheizungen mit ihrer hohen thermischen Masse. Wer zu schnell nachjustiert, verliert den Überblick über die Kausalität.

Die Verbraucherzentrale empfiehlt, die Grundeinstellung nach der Installation vom Fachbetrieb durchführen zu lassen und die Feinjustierung dann selbst vorzunehmen. Das ist sinnvoll: Die hydraulischen Grundparameter gehören in Fachhände, die Temperaturoptimierung kannst du als Hausbesitzer gut selbst übernehmen.

Vorlauftemperatur im Altbau: Auch hier ist eine Wärmepumpe möglich

Der Mythos hält sich hartnäckig: Wärmepumpen im Altbau funktionieren nicht. Die Realität sieht anders aus. Rund 70 % aller in Deutschland neu installierten Wärmepumpen gehen in Bestandsgebäude, viele davon in Altbauten mit Heizkörpern (BWP Marktstatistik, 2025). Was im Altbau stimmt: Die notwendige Vorlauftemperatur ist höher. Das erhöht den Stromverbrauch, macht die Wärmepumpe aber nicht unwirtschaftlich – sofern man realistisch plant.

Warum braucht ein Altbau mehr Vorlauftemperatur?

Zwei Ursachen erklären das:

Schlechtere Dämmung, höhere Wärmeverluste. Ältere Gebäude verlieren mehr Wärme durch Außenwände, Fenster und Dach. Diese zusätzliche Wärmemenge muss das Heizsystem liefern – egal ob Gas, Öl oder Wärmepumpe. Die höhere Heizlast ist kein Wärmepumpen-spezifisches Problem.

Kleine Heizflächen, höhere Spreiztemperatur nötig. Alte Rippenheizkörper wurden für 75/60 °C ausgelegt (Vorlauf/Rücklauf). Bei 45 °C Vorlauf geben sie schlicht zu wenig Wärme ab. Aus unserer Erfahrung zeigt sich: Die Heizflächen sind in vielen Altbauten aber größer als nötig – die alte Gasheizung war schlicht überdimensioniert. In solchen Fällen reicht 50 bis 55 °C Vorlauf problemlos aus.

Bevor du Heizkörper tauschst: Lass den hydraulischen Abgleich durchführen. Oft stellt sich dabei heraus, dass einzelne Heizkörper schlecht durchströmt waren und bei korrekter Einstellung mit deutlich niedrigerer Vorlauftemperatur funktionieren. Mehr zu Heizkörpern mit Wärmepumpen.

Luftwärmepumpe Vorlauftemperatur: Besonderheiten und Grenzen

Luft-Wasser-Wärmepumpen sind in Deutschland mit über 90 % Marktanteil unter den Wärmepumpen die dominierende Bauform. Ihre maximale Vorlauftemperatur liegt bei Standardmodellen bei 60 bis 65 °C, bei Hochtemperaturmodellen (z. B. mit zweistufigem Kompressor) bei 70 bis 75 °C. Das unterscheidet sie von Sole-Wasser-Wärmepumpen (Erdwärme), die durch die stabilere Quellentemperatur meist höhere JAZ-Werte erreichen.

Wärmepumpen-Typ Wärmequelle Max. Vorlauftemperatur Effizienz bei 55 °C Vorlauf
Luft-Wasser-Wärmepumpe (Standard) Außenluft (–15 bis +35 °C) 60–65 °C JAZ ca. 2,5–3,0 (jahresdurchschnittlich)
Luft-Wasser-Wärmepumpe (Hochtemperatur) Außenluft 70–75 °C JAZ ca. 2,0–2,5 bei Hochtemperaturbetrieb
Sole-Wasser-Wärmepumpe (Erdwärme) Erdreich (konstant 8–12 °C) 55–65 °C (Standard), bis 75 °C (Hochtemp.) JAZ ca. 3,5–5,0 (höhere Quelltemperatur)
Wasser-Wasser-Wärmepumpe (Grundwasser) Grundwasser (ca. 10 °C) 60–65 °C JAZ ca. 4,0–6,0 (sehr stabile Quelle)

Ein Sonderfall ist die Luft-Wasser-Wärmepumpe im Split-Betrieb: Hier steht das Außengerät im Außenbereich, der Hydraulik-Innenmodul im Haus. Diese Bauform hat oft eine etwas höhere maximale Vorlauftemperatur als Monoblock-Geräte, weil die Kältemittel-Rohrleitungen länger sind und der Wärmeübertrager im Innenbereich größer dimensioniert werden kann.

Gut zu wissen: Warmwasserbereitung mit Wärmepumpe. Für Brauchwarmwasser (Dusche, Küche) werden kurzzeitig 55 bis 60 °C im Pufferspeicher gebraucht. Das ist separat vom Heizbetrieb zu sehen. Die meisten Wärmepumpen haben einen Legionellen-Schutzmodus (einmal pro Woche kurze Erwärmung auf 60 °C), der unabhängig von der Heizkurve läuft.

Hydraulischer Abgleich: Die Voraussetzung für niedrige Vorlauftemperaturen

Kein Heizkurven-Tuning bringt viel, wenn das Wasser im Heizkreis ungleich verteilt ist. Beim hydraulischen Abgleich stellt ein Fachbetrieb sicher, dass jeder Heizkörper genau die Wassermenge bekommt, die er thermodynamisch benötigt. Ohne Abgleich laufen nahe der Wärmepumpe liegende Heizkörper überhitzt, während weiter entfernte zu kalt bleiben – die Anlage regelt auf die kälteste Stelle hoch und verbraucht so unnötig viel Strom.

Der hydraulische Abgleich ist seit 2023 für die BEG-Förderung (Bundesförderung Effiziente Gebäude) vorgeschrieben. Er kostet je nach Anlage zwischen 300 und 700 € und zahlt sich durch die möglich werdenden niedrigeren Vorlauftemperaturen in der Regel innerhalb von zwei bis vier Jahren aus.

Fazit: Jedes Grad zählt

Die Vorlauftemperatur ist der effektivste Hebel, den du als Wärmepumpenbesitzer hast. Wer heute mit 55 °C Vorlauf fährt, obwohl 48 °C reichen würden, zahlt 17,5 % mehr Strom als nötig – rund 150 bis 250 € im Jahr bei einem durchschnittlichen Einfamilienhaus.

Die Maßnahmen in der richtigen Reihenfolge: Zuerst hydraulischer Abgleich (Fachbetrieb), dann Heizkurve optimieren (schrittweise selbst oder mit Fachbetrieb), im Altbau ggf. einzelne Heizkörper durch größere Modelle ersetzen. Mit diesen Schritten lässt sich in vielen Fällen 10 bis 20 % am jährlichen Stromverbrauch sparen, ohne irgendeine Wärmepumpen-Komponente zu tauschen.

Wer unsicher ist, ob seine Einstellungen optimal sind oder ob sein Haus technisch für eine Wärmepumpe geeignet ist: Der enerix Wärmepumpen-Ratgeber gibt einen Überblick über alle relevanten Themen. Für eine individuelle Einschätzung steht ein regionaler Fachbetrieb bereit.

Häufige Fragen zur Vorlauftemperatur (FAQ)

Wie hoch soll die Vorlauftemperatur einer Wärmepumpe sein?

Das hängt vom Heizsystem ab. Für eine Fußbodenheizung sind 30 bis 35 °C ideal. Mit Niedertemperatur-Heizkörpern reichen 40 bis 50 °C. In unsanierten Altbauten mit alten Heizkörpern können 55 bis 65 °C notwendig sein. Die einfache Regel: So niedrig wie möglich einstellen, bis das Haus bei –10 °C Außentemperatur noch warm wird. Jedes Grad weniger spart 2,5 % Strom (BWP, 2025).

Ist eine Vorlauftemperatur von 70 °C bei einer Wärmepumpe effizient?

Nein. Bei 70 °C Vorlauftemperatur liegt die Jahresarbeitszahl einer Standard-Luft-Wasser-Wärmepumpe unter 2,0. Das bedeutet: Weniger als 2 kWh Wärme aus 1 kWh Strom – ein sehr schlechtes Verhältnis. 70 °C ist nur für Hochtemperatur-Wärmepumpen in technisch notwendigen Fällen (sehr alter Altbau ohne Möglichkeit zum Heizkörpertausch) zu rechtfertigen. Normalbetrieb sollte immer darunter bleiben.

Wie hoch muss die Vorlauftemperatur im Winter sein?

An einem Normwintertag mit –10 °C braucht eine Fußbodenheizung im Neubau 38 bis 44 °C Vorlauf, ein Heizkörper-System im Bestandsbau 47 bis 53 °C. Diese Werte steigen bei –15 °C auf 43 bis 48 °C bzw. 52 bis 58 °C an. Die Heizkurve regelt das automatisch: Bei Wärme läuft sie auf 22 bis 28 °C runter, bei Frost hoch bis zum Auslegungswert.

Bei welchen Temperaturen arbeitet eine Wärmepumpe am besten?

Wärmepumpen arbeiten am effizientesten, wenn die Vorlauftemperatur niedrig und die Quelltemperatur hoch ist. Konkret: Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe bei +7 °C Außentemperatur und 35 °C Vorlauf erreicht eine JAZ von 4,5 bis 5,0. Bei –5 °C Außentemperatur und 55 °C Vorlauf sinkt sie auf 2,2 bis 2,8. Sole-Wasser-Wärmepumpen haben durch die stabilere Quelltemperatur ganzjährig höhere JAZ-Werte.

Was besagt die 20-Grad-Regel für Wärmepumpen?

Die 20-Grad-Regel stammt aus der Kühlungstechnik und besagt, dass eine Klimaanlage maximal 20 °C unter die Außentemperatur kühlen kann. Auf Wärmepumpen-Heizung übertragen, wird sie manchmal als Effizienzregel interpretiert: Je kleiner der Temperaturhub (Vorlauf minus Quelltemperatur), desto höher die Effizienz. Wird der Hub größer als 30 bis 40 °C, sinkt die JAZ deutlich. Ziel ist immer: Temperaturhub so klein wie möglich halten.

Welche Vorlauftemperatur ist bei 10 °C Außentemperatur nötig?

Bei 10 °C Außentemperatur braucht ein gut eingestelltes System kaum noch Heizwärme. Eine Fußbodenheizung benötigt etwa 22 bis 28 °C Vorlauf, ein Heizkörper-System im Bestand rund 29 bis 35 °C. Ab 15 bis 17 °C Außentemperatur schalten die meisten Wärmepumpen in den Standby. Wenn deine Anlage bei 10 °C Außentemperatur noch 50 °C oder mehr fährt, ist die Heizkurve vermutlich zu steil oder das Niveau zu hoch eingestellt.

Wie viel Strom spare ich durch eine niedrigere Vorlauftemperatur?

Jedes Grad Celsius weniger Vorlauftemperatur spart rund 2,5 % Strom (BWP, 2025). Bei einem Jahresverbrauch von 4.000 kWh und 35 Cent/kWh bedeuten 3 Grad Optimierung: 300 kWh weniger – oder rund 105 € im Jahr. Bei größeren Anlagen oder wenn die aktuelle Einstellung sehr hoch ist, sind 150 bis 200 € Einsparung pro Jahr realistisch.


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