Merit-Order-Prinzip: Warum steigt der Strompreis?

Wie entsteht eigentlich der Strompreis und warum bestimmt oft ausgerechnet das teuerste Kraftwerk ihn? Dieser Beitrag erklärt das Merit-Order-Prinzip einfach und verständlich, zeigt den Zusammenhang zwischen Stromerzeugung, Strom- und Spotmarkt und macht deutlich, wie du dich besser vor hohen Stromkosten schützen kannst.

Industrieanlage mit Raffinerie und Schornsteinen bei Dämmerung, davor Wasserflächen und dunkle Vegetation.
Das Wichtigste in Kürze
  • Günstig erzeugen reicht nicht: Das Merit-Order-Prinzip legt fest, dass das teuerste Kraftwerk, das gerade noch gebraucht wird, den Preis für alle bestimmt — nicht der Durchschnitt der Erzeugungskosten.
  • Erneuerbare senken Börsenpreise messbar: Der planmäßige Ausbau erneuerbarer Energien senkt den Börsenstrompreis bis 2030 um bis zu 23 Prozent ( Agora Energiewende , 2025).
  • Gas bleibt der Engpassfaktor: Solange es keine ausreichenden Langzeitspeicher gibt, setzen Gaskraftwerke in den Abend- und Winterstunden weiterhin den Marktpreis.
  • EU-Strommarktreform Juli 2024: Neue Differenzverträge (CfDs) für Erneuerbare sichern Betreiber gegen Preisschwankungen ab — das Prinzip selbst bleibt erhalten.
  • Eigene Stromerzeugung ist der direkteste Ausweg: Wer mit einer PV-Anlage produziert, zahlt stabile Gestehungskosten statt schwankende Börsenpreise.

Warum steigt der Strompreis? Der Strompreis steigt, sobald ein teures Kraftwerk einspringen muss, um die Stromversorgung sicherzustellen. Das Merit-Order-Prinzip legt fest: Das teuerste Kraftwerk, das gerade noch gebraucht wird, setzt den Preis für alle anderen Erzeuger dieser Stunde. Meistens ist das ein Gaskraftwerk. Steigt der Gaspreis, zahlen alle Marktteilnehmer mehr, auch wenn der größte Teil des Stroms aus Wind und Solar stammt.

Was ist das Merit-Order-Prinzip?

Das Merit-Order-Prinzip ist der Preismechanismus der europäischen Strombörse EPEX SPOT. Kraftwerke werden täglich nach ihren variablen Kosten in eine Rangliste einsortiert: die günstigsten laufen zuerst, die teuersten zuletzt. Der Preis, den alle Verkäufer erhalten, richtet sich nach dem teuersten Kraftwerk, das gerade noch gebraucht wird, um die Nachfrage zu decken. Im Jahr 2024 lag dieser sogenannte Market Clearing Price im Jahresschnitt bei rund 79,6 €/MWh (FfE, 2025).

Der Begriff kommt aus dem Englischen: „Merit“ bedeutet hier Vorzugswürdigkeit. Die Reihenfolge bestimmt, welche Kraftwerke wirtschaftlich bevorzugt werden. In der Praxis läuft Wind- und Solarstrom immer zuerst, weil ihre variablen Kosten nahe Null liegen. Gaskraftwerke stehen am Ende der Schlange. Werden sie gebraucht, setzen sie den Preis für alle.

Wie funktioniert die Preisbildung an der Strombörse?

An der Strombörse werden Kraftwerke täglich nach ihren variablen Kosten gereiht — günstigste zuerst. Das Ziel: den Strombedarf zu den geringsten volkswirtschaftlichen Kosten decken. Weil erneuerbare Energien 2024 bereits 62,7 Prozent der öffentlichen Nettoerzeugung in Deutschland stellten (Fraunhofer ISE, Jan. 2025), stehen sie in den meisten Handelsstunden ganz vorne in der Reihe.

Was sind Grenzkosten?

Die Grenzkosten bestimmen den Platz in der Merit-Order-Rangliste. Sie umfassen ausschließlich die variablen Betriebskosten, die für eine zusätzliche Megawattstunde Strom entstehen:

  • Brennstoffkosten (Kohle, Gas, Uran)
  • CO2-Zertifikate nach dem EU-Emissionshandelssystem (ETS)

Fixkosten wie Bau, Abschreibung oder Personal bleiben außen vor. Wind und Solar haben weder Brennstoffkosten noch CO2-Abgaben, weshalb ihre Grenzkosten nahe Null liegen. Gaskraftwerke müssen für Brennstoff und Emissionszertifikate zahlen und landen damit am oberen Ende der Rangliste.

Die Einsatzreihenfolge: Von Erneuerbaren bis zum Gaskraftwerk

Die Merit-Order sieht in der Praxis so aus:

  1. Wind, Solar, Laufwasser: Grenzkosten nahe 0 €/MWh. Immer zuerst eingespeist.
  2. Braunkohle: Variable Kosten niedrig (eigener Tagebau), aber hohe CO2-Abgaben bei ca. 60–70 €/t ETS-Preis 2024. Läuft als Grundlast.
  3. Steinkohle: Importkohle plus CO2-Zertifikate. Teurer als Braunkohle.
  4. Erdgas (GuD-Kraftwerke): Gaspreise plus CO2-Kosten. Die teuersten fossilen Kraftwerke — und damit in den meisten Spitzenstunden das letzte Glied der Kette.

Merit Order Prinzip

Die Einsatzreihenfolge bestimmt schlussendlich den Strompreis. Wird Gas eingesetzt, ist er höher. 

Der Market Clearing Price: Warum alle den gleichen Preis zahlen

Wenn die Nachfragekurve auf das sortierte Angebot trifft, entsteht der Market Clearing Price. Das letzte Kraftwerk, das noch gebraucht wird, nennt man das Grenzkraftwerk. Dieses setzt dann den Preis für alle Verkäufer dieser Stunde. Das gilt auch dann, wenn ein Windparkbetreiber für 0 €/MWh produziert hat. Er erhält trotzdem den Preis des Grenzkraftwerks ausgezahlt.

Dieses „Pay-as-Clear“-Prinzip soll Investitionen in günstige Technologien fördern: Wer günstig produziert, erzielt hohe Gewinnmargen, wenn Gas den Preis setzt. Umgekehrt sorgt es dafür, dass teure Kraftwerke nur dann zum Einsatz kommen, wenn die Nachfrage es wirklich erfordert.

Grenzkosten verschiedener Energieträger im Vergleich (2024)

Die folgende Tabelle zeigt die typischen Grenzkosten-Bandbreiten für 2024. Die variablen Kosten schwanken mit dem Gaspreis und dem CO2-Zertifikatspreis (ETS ca. 60–70 €/t im Jahr 2024).

Energieträger Variable Kosten (Grenzkosten) Hinweis
Wind onshore / offshore ~0–5 €/MWh Kein Brennstoff, minimale Betriebskosten
Photovoltaik ~0–5 €/MWh Kein Brennstoff, kein CO2
Braunkohle ~30–50 €/MWh Niedriger Brennstoffpreis, hohe CO2-Kosten
Steinkohle ~60–90 €/MWh Importkohle + CO2-Zertifikate
Erdgas (GuD) ~80–120 €/MWh Gaspreis + CO2 (stark marktabhängig)

Quellen: Agora Energiewende, FfE und Fraunhofer ISE LCOE-Studie Juli 2024 (ise.fraunhofer.de). Grenzkosten sind keine Gestehungskosten — sie spiegeln ausschließlich die variablen Betriebskosten wider.

Beispielrechnung: So entsteht der Preis in einer Handelsstunde

Angenommen, der Markt braucht an einem Winterabend 50 GW Leistung:

  1. 30 GW aus Wind und Solar — Preisgebot: 0 Ct/kWh.
  2. 15 GW aus Kohle — Preisgebot: 8 Ct/kWh.
  3. 5 GW fehlen noch. Ein Gaskraftwerk springt ein, Preisgebot: 20 Ct/kWh.

Ergebnis: Der Börsenpreis für alle 50 GW beträgt 20 Ct/kWh. Hätte der Wind 5 GW mehr geliefert, wäre das Gaskraftwerk nicht nötig gewesen — und der Preis wäre auf das Niveau der Kohle (8 Ct/kWh) gefallen.

Der Merit-Order-Effekt: Wie Ökostrom die Preise senkt

Der Merit-Order-Effekt beschreibt, wie erneuerbare Energien die teuren Kraftwerke schrittweise aus dem Markt drängen. Je mehr Wind- und Solarstrom im Netz ist, desto seltener wird das teure Grenzkraftwerk gebraucht. Laut Agora Energiewende senkt der planmäßige Ausbau erneuerbarer Energien den Börsenstrompreis bis 2030 um bis zu 20 €/MWh — das entspricht 20 bis 23 Prozent (Agora Energiewende, Juni 2025).

Ein Blick auf 2024 zeigt das Prinzip in der Praxis. Der durchschnittliche EPEX-Spot-Preis lag bei 79,6 €/MWh — rund 18 Prozent unter dem Vorjahreswert 2023 (FfE, 2025). Mehr Erneuerbare im System, niedrigerer Börsenpreis. An sonnigen, windigen Tagen können die Preise sogar negativ werden — 2024 war das 459 Stunden lang der Fall, ein Anstieg von 53 Prozent gegenüber 2023 (FfE, 2025).

Warum der Strompreis trotzdem hoch bleibt

Trotz des Merit-Order-Effekts zahlen deutsche Haushalte nach wie vor viel. Der Haushaltsstrompreis lag zum 1. April 2024 bei 41,59 Ct/kWh (BDEW / Bundesnetzagentur, 2024). Der Grund liegt in der Struktur des Endpreises: Steuern, Abgaben, Netzentgelte und Umlagen machen mehr als die Hälfte des Endpreises aus. Der Börsenpreis ist nur ein Teil davon — wenn auch der volatilste.

Die Gas-Kopplung

Das Kernproblem ist die strukturelle Abhängigkeit vom Gasmarkt. Gaskraftwerke sind die einzigen Erzeuger, die schnell genug hochfahren können, um Nachfragespitzen innerhalb von Minuten auszugleichen. Solange keine ausreichenden Langzeitspeicher existieren, bleibt Gas das Grenzkraftwerk in den teuren Stunden. Steigt der Gaspreis, steigt damit auch der Börsenpreis — selbst wenn 90 Prozent des Stroms aus Wind und Solar kommt.

Warum die Sonne abends nichts hilft

An sonnigen Sommertagen ist der Börsenstrompreis oft sehr günstig. Doch ab etwa 18 Uhr, wenn der Verbrauch hoch bleibt und die Solarproduktion nachlässt, müssen Gaskraftwerke einspringen. Dieser kurze Zeitraum mit hohen Preisen zieht den Tagesdurchschnitt nach oben. Im Terminmarkt — wo Strom für die Zukunft gehandelt wird — schlägt sich das als dauerhaft hohes Preisniveau nieder.

Aktuelles Beispiel: Am Dienstagabend (23. Juni 2026) kostete eine Megawattstunde 747 € an der Strombörse. Ausgerechnet mitten in einer Hitzewelle, die eigentlich perfekte Bedingungen für Solarstrom lieferte. Solarstrom drückte mittags die Preise nach unten, doch die Hitze blieb abends, Klimaanlagen liefen weiter. Normalerweise gleicht Windstrom das aus. Letzte Woche fehlte er.

Die Lösung läge unter anderem in einer stärkeren Flexibilisierung der Netze und einem konsequenten Stromspeicherausbau: sowohl im Eigenheim als auch bei Großprojekten.

Bereits die Nachrüstung eines Stromspeichers kann dich vor solchen Preisschwankungen absichern.

Kritik und Reform: Ist das Marktdesign noch zeitgemäß?

Das Merit-Order-Prinzip steht seit Jahren in der Kritik, und seit Juli 2024 gibt es eine EU-weite Antwort darauf. Ein zentraler Kritikpunkt sind die sogenannten Windfall Profits: Betreiber älterer Wind- und Solarparks, die lange abgeschrieben sind, verdienen in Hochpreisphasen außerordentlich viel Geld. Ihre Kosten sind nicht gestiegen, sehr wohl aber der Preis des Grenzkraftwerks, dem sie folgen.

Die EU-Strommarktreform 2024

Im April 2024 verabschiedete das Europäische Parlament die Reform des Strommarktdesigns. Der Rat der EU folgte am 21. Mai 2024, in Kraft trat sie im Juli 2024 (Europäisches Parlament, 2024; Rat der EU, 2024).

Das Kernstück sind zweiseitige Differenzverträge (Contracts for Difference, CfD): Betreiber neuer erneuerbarer Anlagen erhalten einen staatlich garantierten Mindestpreis. Wenn der Börsenpreis darüber liegt, fließt die Differenz an den Staat zurück — und damit letztlich an die Verbraucher. Das Merit-Order-Prinzip selbst bleibt erhalten, aber EE-Produzenten werden besser gegen Preisschwankungen abgesichert.

Negative Strompreise an der Börse

An Stunden, wo das Angebot die Nachfrage übertrifft, kippt die Merit-Order ins Extreme. Konventionelle Kraftwerke können nicht schnell abschalten und das Wiederanfahren dauert Stunden, was wiederum hohe Kosten verursacht. Also bieten ihre Betreiber Geld dafür, dass jemand ihren Strom abnimmt. Der Preis fällt unter Null. In Deutschland war das 2024 an 459 Stunden der Fall (FfE, 2025). Verbraucher mit dynamischen Tarifen könnten in diesen Stunden Strom zu negativen Preisen beziehen — Steuern und Abgaben fressen diesen Vorteil jedoch meist auf.

Was bedeutet das für deine Stromrechnung?

Das Merit-Order-Prinzip wirkt sich für die meisten Haushalte zeitverzögert aus. Klassische Versorger kaufen Strom langfristig an der Terminbörse ein und glätten so die kurzfristigen Preisschwankungen. Die Änderungen spürst du erst beim nächsten Vertragswechsel oder bei einer Preisanpassung des Versorgers.

Fixpreis-Tarife vs. dynamische Stromtarife

Bei einem Festpreis-Tarif zahlst du einen gleichbleibenden Arbeitspreis — unabhängig davon, was gerade an der Börse passiert. Das gibt Planungssicherheit. Bei einem dynamischen Tarif hingegen spiegelt sich der aktuelle Börsenstrompreis wider. In windreichen Nächten oder sonnigen Mittagsstunden kann der Preis deutlich unter 5 Ct/kWh fallen. Wer seinen Verbrauch flexibel steuert — Waschmaschine, Wallbox, Warmwasserspeicher in die günstigen Stunden legt — kann spürbar sparen.

Einfluss auf dynamische Netzentgelte

Seit 2024 können Netzbetreiber dynamische Netzentgelte einführen. Sie schaffen Anreize, Strom dann zu verbrauchen, wenn das Netz nicht ausgelastet ist, was oft mit niedrigen Börsenpreisen zusammenfällt. Für Verbraucher mit steuerbaren Verbrauchern (Wallbox, Wärmepumpe, Heimspeicher) ist das eine weitere Möglichkeit, die Logik des Merit-Order-Prinzips zum eigenen Vorteil zu nutzen.

Dein Ausweg aus dem Merit-Order-System

Wer die Preislogik des Strommarktes dauerhaft umgehen will, kommt an einer eigenen Stromerzeugung kaum vorbei. Der direkteste Weg führt über das Dach.

Eigenproduktion mit einer Photovoltaikanlage

Mit einer PV-Anlage produzierst du Strom zu stabilen Gestehungskosten — unabhängig davon, was Erdgas gerade kostet. Laut Fraunhofer ISE lagen die Stromgestehungskosten neuer Dach-PV-Anlagen 2024 bei 4,1–14,4 Ct/kWh (Fraunhofer ISE LCOE-Studie, Juli 2024). Über eine Lebensdauer von 20 bis 25 Jahren bleibt der selbst erzeugte Strom deutlich günstiger als der Haushaltsstrompreis von 41,59 Ct/kWh. Das Merit-Order-Prinzip spielt für den selbst verbrauchten Anteil dann keine Rolle mehr.

Verbrauch visualisieren mit einem Smart Meter

Wer seinen Verbrauch sinnvoll steuern will, braucht ein digitales Messsystem. Ein Smart Meter zeigt viertelstündlich, wann du wie viel Strom verbrauchst. Erst damit lässt sich erkennen, ob der eigene Verbrauch zu den günstigen Stunden des Tages passt — oder ob Potenzial zur Verlagerung liegt.

Eigenverbrauch optimieren mit einem Energiemanagementsystem

Ein Energiemanagementsystem (EMS) übernimmt die Steuerung automatisch. Die Solar App erkennt, wann Solarstrom überschüssig vorhanden ist oder wann der Börsenstrom besonders günstig ist. Wärmepumpe, Wallbox und Heimspeicher werden dann so gesteuert, dass du immer den günstigsten verfügbaren Strom nutzt. Wer seine Eigenverbrauchsoptimierung konsequent umsetzt, schützt sich am nachhaltigsten vor den Auswirkungen des Merit-Order-Prinzips.

Kein Weg führt dauerhaft aus der Abhängigkeit vom Gaspreis, solange du ausschließlich Netzstrom kaufst. Wer seinen Strom selbst erzeugt, baut sich seine eigene, dauerhaft günstige Merit-Order auf dem Dach auf.

Häufige Fragen zum Merit-Order-Prinzip

Wird das Merit-Order-Prinzip abgeschafft?

Eine vollständige Abschaffung ist unwahrscheinlich. Das Prinzip regelt die Einsatzreihenfolge effizient und hält die Systemkosten niedrig. Die EU-Strommarktreform von Juli 2024 passt den Rahmen an: Neue erneuerbare Anlagen erhalten Differenzverträge, die den erzielten Preis von der Spot-Volatilität entkoppeln. Das Merit-Order-Prinzip selbst bleibt aber das Fundament des europäischen Stromhandels.

Warum zahle ich den hohen Preis, auch wenn ich einen Ökostromtarif habe?

Physikalisch kommt aus jeder Steckdose ein Mix aus allen Kraftwerken im Netz. Auch Ökostromtarife orientieren sich in der Regel an den Börsenkursen, weil Versorger Ausgleichsenergie am Markt kaufen müssen. Echte Preisentkopplung bieten nur langfristige Direktlieferverträge (PPAs) oder eine eigene PV-Anlage mit hohem Eigenverbrauchsanteil.

Ist das Merit-Order-Prinzip unfair gegenüber Verbrauchern?

Das Prinzip setzt den stärksten wirtschaftlichen Anreiz, in günstige Technologien wie Wind und Solar zu investieren — weil deren Betreiber hohe Margen erzielen, wenn Gas den Preis setzt. Volkswirtschaftlich ist das sinnvoll. Die EU-Reform von 2024 adressiert die Windfall-Profit-Problematik durch Rückzahlungspflichten bei CfD-Anlagen.

Wie beeinflusst das Merit-Order-Prinzip den Preis am Spotmarkt?

Das Merit-Order-Prinzip bestimmt stündlich, welcher Preis am Spotmarkt gilt. Alle Kraftwerke werden nach variablen Kosten sortiert. Das letzte, das noch benötigt wird, setzt den Market Clearing Price für alle Verkäufer dieser Stunde. Im Jahr 2024 lag dieser Durchschnittspreis bei 79,6 €/MWh (FfE, 2025).

Warum sinkt der Börsenpreis nicht einfach, wenn viel Ökostrom da ist?

Mehr erneuerbare Energie senkt den Preis grundsätzlich — aber nicht dauerhaft, solange Gaskraftwerke in bestimmten Stunden als Grenzkraftwerk einspringen müssen. Erst in diesen Stunden setzt Gas den Preis. Der Merit-Order-Effekt wirkt, braucht aber genügend Erneuerbare und Speicher, um Gas vollständig zu verdrängen.

Welche Rolle spielt der Spotmarkt für meinen Haushaltsstrompreis?

Bei klassischen Tarifen kommt der Börsenstrompreis zeitverzögert an — Versorger kaufen langfristig ein. Bei dynamischen Tarifen wird der stündliche Spotpreis direkt weitergegeben. Wer flexible Verbraucher hat (Wallbox, Wärmepumpe), kann von günstigen Spotpreisen in solar- und windstarken Stunden profitieren.

Was bedeutet Pay-as-Clear konkret?

Pay-as-Clear heißt: Alle Verkäufer einer Handelsstunde erhalten denselben Preis — den des Grenzkraftwerks. Ein Windparkbetreiber, der für 0 Ct/kWh produziert, bekommt denselben Preis ausgezahlt wie ein Gaskraftwerk, das für 20 Ct/kWh angeboten hat. Das schafft hohe Margen für günstige Erzeuger und soll Investitionen in erneuerbare Energien fördern.

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