Startseite • Solarstammtisch • „Erneuerbare Energien sind ökonomische Vernunft“- Prof. Dr. Claudia Kemfert im Solarstammtisch „Erneuerbare Energien sind ökonomische Vernunft“- Prof. Dr. Claudia Kemfert im Solarstammtisch Energieökonomin Prof. Dr. Claudia Kemfert (DIW Berlin) zu Gast im Solarstammtisch: Sie räumt mit Energiewende-Mythen auf, erklärt steigende CO2-Preise und gibt Hausbesitzern 2026 einen klaren Rat. Peter Knuth 28 Apr. 2026 ・7 Min Lesezeit Teilen Heizungshammer, Dunkelflaute, angeblicher Stromausfall. Wer sich gerade über Energiepolitik informieren will, stößt vor allem auf Schlagworte. Genau deshalb habe ich Prof. Dr. Claudia Kemfert zum Solarstammtisch eingeladen. Die Energieökonomin am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung gehört seit über 20 Jahren zu den lautesten Stimmen der Energiewende. Wer ist Claudia Kemfert? Eine der bekanntesten und meistzitierten Energieökonominnen Deutschlands. Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr und Umwelt am DIW Berlin (seit 2004) Professoring für Energieökonomie und Energiepolitik an der Leuphana Universität Lüneburg Autorin des Buchs „Kurschluss“, Podcast „Klima Podcast“ Das Wichtigste in Kürze Empfehlung 2026 für Hausbesitzer: energetische Sanierung + Wärmepumpe + Photovoltaik mit Speicher – lohnt sich langfristig deutlich gegenüber Öl und Gas. Erneuerbare sind laut Fraunhofer ISE (2024) mit 4,1–9,2 Cent/kWh die günstigste Stromerzeugung in Deutschland. Der CO2-Preis steigt 2026 in einem Korridor von 55 bis 65 €/Tonne – das macht Heizöl um bis zu 20,7 Cent/Liter teurer (Finanztip, 2026). Die Speicher-Pipeline in Deutschland umfasst rund 400 GW Anschlussanfragen (Bundesnetzagentur, 2025). Die komplette Folge mit Claudia Kemfert auf YouTube ist Teil unserer Solarstammtisch-Reihe. Frau Kemfert, warum heißt Ihr neues Buch „Kurzschluss“? Das im März 2026 bei Campus erschienene Buch Kurzschluss – Wie wir unsere Energiezukunft verspielen rechnet auf 264 Seiten mit den verbreitetsten Mythen der Energiedebatte ab. Dabei fokussiert Kemfert sich vor allem auf die politischen Fehlentscheidungen der vergangenen Jahre: Ein Kurzschluss entsteht da, wo Strom den falschen Weg nimmt. Genau das passiert in der Energiepolitik immer wieder: Vor großen Problemen wie Klimakrise, Energiepreisen und geopolitischen Konflikten werden scheinbar einfache Lösungen vorgeschlagen, die das Problem aber gar nicht lösen, sondern sogar verschärfen. Diese Fehlentscheidungen nenne ich Kurzschlüsse – politische Kurzschlüsse zwischen Problem und vermeintlicher Lösung. Statt die Ursachen zu beseitigen, wird versucht, das fossile System aufrechtzuerhalten: neue Gaslieferanten, neue LNG-Terminals, neue Infrastruktur. Wir bleiben in den fossilen Abhängigkeiten und die Krisen werden am Ende sogar noch verstärkt. Sind Erneuerbare schuld an der schwachen Wirtschaftslage? Nein. Die erneuerbaren Energien sind nicht Teil des Problems, sondern Teil der Lösung. Studien zeigen klar: Ohne die Erneuerbaren wären die Strompreise heute viel höher. Wir sehen aber seit Jahren eine gezielte Stigmatisierung – die Erneuerbaren werden als unsicher bezeichnet, als „Zappelstrom“ verunglimpft, als ideologisch dargestellt. Dabei sind Wind- und Solarenergie heute die günstigste Form der Stromerzeugung und ein zentraler Baustein der Versorgungssicherheit. Diese negativen Darstellungen haben nichts mit wissenschaftlichen Erkenntnissen zu tun, sondern mit wirtschaftlichen Interessen und politischen Narrativen. Ich nenne das fossile Kommunikationsstrategien, die darauf abzielen, bestehende Strukturen zu erhalten. Erneuerbare Energien sind keine Ideologie, sondern ökonomische Vernunft. Auch die Daten sprechen eine klare Sprache: Photovoltaik-Freiflächen liefern in Deutschland bereits Strom für 4,1 bis 6,9 Cent pro Kilowattstunde, Onshore-Wind für 4,3 bis 9,2 Cent (Fraunhofer ISE, 2024). Damit unterbieten sie selbst neue Gas- und Kohlekraftwerke deutlich. Was bedeutet „Technologieoffenheit“ in der Praxis? Politiker betonen seit Jahren, man müsse „technologieoffen“ sein. Das klingt im ersten Moment nach einem fairen, offenen Diskurs. Doch in der Praxis ist das ioft das Gegenteil. In der Energiewirtschaft kennt man inzwischen die Wirkungen aller relevanten Technologien sehr genau: DIW-Studien zeigen seit Jahren, dass Wärmepumpen, Photovoltaik und Elektromobilität in Kombination aber auch als Einzelkomponenten bei Effizienz und Preis klar führen. Kemfert äußert sich dazu wie folgt: Der Begriff klingt erst einmal sinnvoll, weil er suggeriert, man lasse alle Optionen offen. In der Praxis wird er aber politisch genutzt, um notwendige Entscheidungen zu verzögern, alte Technologien länger offen zu halten und neue zu verhindern. Wir wissen längst, welche Technologien effizient, verfügbar und kostengünstig sind: erneuerbare Energien, Elektromobilität, Wärmepumpen. Wenn man trotzdem alles gleich behandelt, ignoriert man ökonomische Realitäten und verschwendet Ressourcen. Technologieoffenheit wird so zur Technologiebarriere. Wir brauchen keine Technologieoffenheit, sondern Technologieklarheit. Scheitert die Energiewende am fehlenden Netzausbau? Die öffentliche Debatte ist sich fast einig: Die Netze fehlen und sind unzureichend ausgebaut. Kemfert sieht den Engpass woanders: Die Behauptung, die Energiewende scheitere am fehlenden Netzausbau, greift zu kurz. Das eigentliche Problem ist nicht der Netzausbau allein, sondern die fehlende Digitalisierung und Systemintegration. Unsere Netze sind vielerorts noch dem alten zentralen Energiesystem zugeordnet, obwohl wir längst ein dezentrales System brauchen. Wir brauchen smarte Netze, digitale Steuerung, flexible Nachfrage – und Speicher, insbesondere Batteriespeicher. Aktuell sind 500 Gigawatt Batteriespeicher in der Pipeline. Selbst wenn nur ein Bruchteil ans Netz kommt, könnte das die Netze nachweislich entlasten. Die Energiewende hat kein Infrastrukturproblem, sie hat ein Digitalisierungs- und Systemproblem. Was kommt 2026 auf Hausbesitzer zu? Gebäudemodernisierungsgesetz, EEG-Reform und Netzpaket laufen derzeit parallel und werden in der Debatte oft vermischt, da sie nahe aneinander liegen. Wer in diesem Jahr beispielsweise eine Heizung tauscht, bekommt das Zusammenspiel direkt zu spüren: Der nationale CO2-Preis steigt 2026 in einem Korridor von 55 bis 65 €/Tonne und macht Heizöl um bis zu 20,7 Cent/Liter teurer (Finanztip, 2026). Prof. Dr. Kemfert ordnet das wie folgt ein: Diese Pakete greifen ineinander – werden aber politisch oft völlig getrennt gedacht. Das Gebäudeenergiegesetz soll den Wärmesektor klimafreundlicher machen, beispielsweise durch den schrittweisen Umstieg auf erneuerbare Heizungen. Im Gebäudemodernisierungsgesetz wird jetzt aber eine sogenannte Biotreppe eingeführt – Technologieoffenheit als Vorwand, um Öl- und Gasheizungen länger drin zu lassen. Damit lässt man die Leute in eine absolute Kostenfalle laufen, weil Öl und Gas durch steigende CO2-Preise teurer werden. Das EEG soll in seiner Förderung heruntergefahren werden, was den Solarausbau hemmt. Und das Netzpaket greift zu kurz, weil Digitalisierung und smarte Steuerung gar nicht mitgedacht werden – stattdessen wird die Netzanbindung sogar generell in Frage gestellt. Das Ergebnis dieser Diskussion ist vor allem eines: komplette Unsicherheit. Was raten Sie Hausbesitzern, die sich heute entscheiden? Das ist die Frage, die uns am Solarstammtisch am häufigsten gestellt wird. Wer 2026 vor der Entscheidung Öl- oder Gas-Heizung gegen Wärmepumpe steht, der muss zwangsläufig mit den steigenden CO2-Preisen und sinkenden EE-Stromkosten rechnen. Nicht in Panik handeln, sondern strategisch vorgehen. Wer heute über eine neue Heizung nachdenkt, sollte sich an langfristigen Kosten orientieren – und das spricht klar gegen Öl- und Gasheizungen. Fossile Energien sind teuer und werden durch CO2-Preise weiter teurer. Geopolitische Risiken machen sie zusätzlich unsicher. Sinnvoll ist deshalb, auf erneuerbare Lösungen zu setzen: energetische Sanierung, Wärmepumpe, idealerweise kombiniert mit einer Photovoltaikanlage und wenn möglich einem Speicher. Wichtig ist, das Haus als Gesamtsystem zu denken – inklusive Dämmung und Effizienzmaßnahmen. Die Förderprogramme können einen großen Teil der Investitionskosten abfedern. Wer unsicher ist, sollte eine unabhängige Energieberatung in Anspruch nehmen. Die Energiewende im eigenen Haus ist eine Investition in stabile Energiekosten und mehr Unabhängigkeit. Auch beim Elektroauto geht es um ein Gesamtkonzept aus Effizienz, Strom und Wärme. Davon sollte man sich nicht abhalten lassen – einfach klug nachdenken und investieren. Mein Fazit aus dem Gespräch Was mich an Claudia Kemferts Sicht überzeugt: Sie nimmt der Energiewende-Debatte die Aufgeregtheit. Wer heute investiert, trifft seine Entscheidung aus betriebswirtschaftlicher Vernunft und weil er oder sie was gutes für die Energiewende tun will. Wärmepumpe, PV-Anlage und Stromspeicher sind die langfristig günstigere und sicherere Lösung. Und genau das beobachten wir bei enerix seit über 20 Jahren auf den Dächern unserer Kunden. „Die beste Energie ist immer die, die du gar nicht erst verbrauchst.“ Genau deshalb beginnt eine seriöse Beratung bei der Effizienz, nicht beim Produkt. Peter Knuth Peter Knuth ist Mitbegründer und Geschäftsführer von enerix, einem Unternehmen, das sich auf die Installation von Photovoltaikanlagen spezialisiert hat. Nach seiner handwerklichen Ausbildung und einem Maschinenbaustudium hat er 2002 seine... Erfahre mehr über mich Entdecke weitere spannende Beiträge Lokale Themen Solar Games in Düsseldorf: Enerix Spessart zeigt Spitzenleistung Die Solar Games sind der Wettkampf der Photovoltaik-Branche. Enerix Spessart setzte ein starkes Zeichen und holte den 3. Platz. Erfahre mehr! Lucas Flügel 13/12/2024・3 Min Lesezeit Lokale Themen Wärmepumpen in Roding: Förderung, Ausbau und Zukunftsperspektiven Wärmepumpen gewinnen in Roding an Bedeutung! Erfahre, welche Förderungen verfügbar sind, wie der Ausbau voranschreitet und welche Herausforderungen bestehen. Wir beleuchten gesetzliche Vorgaben, regionale Entwicklungen und nachhaltige Heizlösungen für die Zukunft. Jetzt alle wichtigen Infos zur Wärmewende in Roding entdecken! 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