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Solarpaket 1 und 2: Diese Neuerungen stehen bevor

Direkt nach der Sommerpause am 16. August hat die Bundesregierung mit dem Solarpaket 1 ein wichtiges Gesetzespaket auf den Weg gebracht, das zum 1. Januar 2024 in Kraft treten sollte.

Mit den neuen Maßnahmen soll der Bau und Betrieb von Photovoltaikanlagen schneller, reibungsloser von statten gehen und der Ausbau der Solarenergie Fahrt aufnehmen. Allerdings verzögerte sich der Beschluss. Welche Neuerungen es geben soll und was bereits umgesetzt wurde, erfährst du in diesem Artikel. 

Welche Ziele sind im Solarpaket festgelegt?

Mit dem Solarpaket I strebt die Bundesregierung höhere Ausbauziele für Photovoltaik an.
Diesen Zuwachs an Solarleistung soll es in den folgenden Jahren geben: 

  • In 2024 13 Gigawatt 

  • In 2025 18 Gigawatt 

  • Ab 2026 mehr als dreimal so viel, also 22 Gigawatt 

  • Bis 2030 sind es 215 Gigawatt 

Eigentlich sollte sich mit 1. Januar einiges ändern. Nun soll das Solarpaket 1 spätestens Ende März verabschiedet werden. Darin stehen Maßnahmen, die den Ausbau von Photovoltaik beschleunigen sollen. Der Anteil erneuerbarer Energien am Bruttostromverbrauch soll bis 2030 in Deutschland 80 Prozent betragen. Zudem will die Bundesregierung, dass Deutschland als eine der ersten Industrienationen bis 2045 klimaneutral wirtschaftet. Um das zu erreichen, müssen erneuerbare Energieträger und damit auch die Solarenergie ausgebaut werden.

Die Hälfte dieser Energie soll auf Freiflächen erzeugt werden. Die andere kommt von Dachanlagen.

Grundsätzlich kann man sagen, dass sich die Änderungen auf diese drei Teilbereiche fokussieren:

  • PV-Anlagen am Eigenheim 

  • Balkonkraftwerke  

  • Weniger Bürokratieabbau und vereinfachter Netzanschluss 

Die Änderungen im Überblick

  • Ausweitung des Mieterstrom Modells 

  • Netzanschluss wird beschleunigt 

  • Anmeldung beim Netzbetreiber für Balkonkraftwerke entfällt 

  • Wenn alte Module getauscht werden, bleibt die Einspeisevergütung gleich

  • Direktvermarktung von Solarstrom soll flexibler gestaltet werden 

  • Balkonkraftwerke dürfen statt 600 Watt 800 Watt einspeisen 

  • Mehr Freiflächen für Solarparks 

Die Änderungen im Solarpaket 1

Für die Änderungen in der Gesetzgebung soll es zwei Solarpakete geben. Das Solarpaket I beinhaltet folgende Punkte

  1. Weniger Bürokratie, wenn man zwei Anlagen parallel am Dach betreibt:
    Wenn du bereits eine Solaranlage besitzt und eine weitere nachrüsten möchtest, hast du bisher nur für die alten Module die hohe Einspeisevergütung erhalten. Für neue Module galten die aktuellen Gesetze. Nun kannst du als Anlagenbetreiber selbst bestimmen, welche Anlage die höhere Vergütung erhält. 

  2. Technische Anforderungen für die Direktvermarktung von Strom sollen für Anlagen bis 25 kW gesenkt werden.
    Es wird also einfacher, den eigenen Strom direkt zu vermarkten und du erhältst somit eine höhere Vergütung. Und die ist bestimmt höher als die Einspeisevergütung. 

  3. Keine Hürden mehr für eine PV-Anlage im Garten:
    Bisher musstest du nachweisen, dass dein Dach nicht für eine Solaranlage geeignet ist. Erst dann gab es auch eine Förderung durch das EEG. Mit dem neuen Solarpaket musst du das nicht mehr beweisen. Du kannst einfach eine Gartenanlage installieren und erhältst die Einspeisevergütung. Keine Doppelmeldung mehr für Balkonkraftwerke: Künftig soll die Anmeldung beim Marktstammregister reichen. Diese wird noch einfacher gestaltet. 

  4. Rückwärtsdrehende Zähler bei Balkonkraftwerken:
    Bis die neuen Zähler eingebaut sind, können Balkonkraftwerke auch mit den alten Zählern verwendet werden. Bisher galt, erst der neue Zähler, dann das Balkonkraftwerk 

  5. Vermieter muss Balkonkraftwerk nicht genehmigen:
    es ist nicht mehr erlaubt, dass Vermieter die Module an Balkonen oder Wänden verbieten, zum Beispiel, weil es ihnen optisch nicht gefällt. 

  6. Wechselrichterleistung von 600 auf 800 Watt angehoben:
    Bisher durftest du nicht mehr als 600 Watt mit deinem Balkonkraftwerk einspeisen. Jetzt sind 800 Watt erlaubt. 

Die Änderungen im Solarpaket 2

Diese Änderungen ergeben sich durch das Solarpaket II: 

  1. Bauliche Anforderungen minimieren:
    Bisher galten strenge Abstandsregeln für PV-Module am Dach und auch die Größe der Module war begrenzt. Laut dem neuen Solarpaket soll es auch möglich sein, Module über 2m2 Fläche zu verbauen. Dadurch gibt es vor allem für Reihenhäuser weniger Vorgaben und man kann mehr Strom erzeugen. 

  2. Mehr PV-Anlagen auf denkmalgeschützten Häusern:
    Die Wichtigkeit der Installation einer PV-Anlage soll vor den Richtlinien des Denkmalschutzes stehen. Wird deine Anlage wegen Denkmalschutz abgelehnt, kannst du das nochmal genau prüfen lassen. 

  3. Es soll noch einfacher sein, ein Balkonkraftwerk zu installieren:
    Etwaige Hürden sollen gesenkt werden, sodass jeder ein Balkonkraftwerk installieren kann. 

  4. Einheitliche Prozesse beim technischen Anschluss:
    Bisher weichen die Anschlussbedingungen der 870 Verteilnetzbetreiber teilweise voneinander ab. Dafür soll es ein einheitliches System geben.

Fazit

Mit den neuen Änderungen werden Betrieb und Installation einer PV-Anlage viel einfacher. Auch Balkonkraftwerke unterliegen nicht mehr so strengen Richtlinien. Mitte April hat sich die Bundesregierung schlussendlich auf das Solarpaket verständigt. Wann genau es endgültig verabschiedet wird bleibt offen. Erste Anhörungen mit Gesetzesvorschlägen stehen noch an. 

Wer sich für das gesamte Paket der Bundesregierung interessiert, kann hier den gesamten Gesetzestext nachlesen. 

Über den Autor

Peter Knuth

Geschäftsführer von enerix

Als Experte auf dem Gebiet nachhaltiger Energie unterstützt Peter Knuth seit 2007 Hausbesitzer auf dem Weg zur unabhängigen Energieversorgung.

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